Der Zeiger (oder auch Verstehst du das oder hab ich es dir gezeigt?)

“Ein leichtes klicken geht unterschwellig in ein klacken über. Was ist der Versuch, das in zwei unterschiedliche Geräusche aufzuteilen. Keiner hört zwei Geräusche. Es ist ein Kliack……verstehen Sie?

Aber irgendwo tief in uns wollen wir uns nicht mal damit auseinander setzen. Uns reicht es schon das ganze in diverse phonetische Wortkombinationen wie Tick Tack oder klick klack auszudrücken. Oder einfach halbherzig auf Ticken zu reduzieren.

Warum halbherzig?

Weil das Ticken der Uhr, das Tick-Tacken der Uhr eben das ist, was wir Menschen tun. Was wir sind. Wir zeigen auf, statt verständlich zu machen. Wir reden über Klicken und Klacken, anstatt das Kliacken zu benennen! Beknackt, bekackt, bekloppt, BEKLIACKT!”

Reiner Gottfrieds Schrei durchbricht den Dickicht der Luft. Der Rauch, der an diesem Tisch in die Luft steigt wird in einer geraden Linie Senkrecht durchschnitten. Im nächsten augenblick wirbeln zwei Rauchwirbelwinde waagerecht im 90 Grad Winkel zur Linie und eine Flache Hand betritt die Bühne. Unermüdlich gewiss landet diese mit einem noch lauterem Geräusch auf der Backe des besagten Herrn Gottfried. Gottfrieds Backe, die vor gut einer Hundertstel Sekunde prall und knackig im Lichte dieses Etablissments schien, vibrierte im Takt einer Samba tanzenden Brasilianerin. Die Hand durchzog den Tanz und ging über auf die Lippen. An den einzelnen Rosettenartigen Lamellen der Lippe spielten die Fingernägel der Hand einen einzigen Akkord, um ein paar dieser “Saiten” zum reißen zu zwingen. Reiner Gottfrieds Blick verdunkelt sich für einige Momente, um eine harte Rechtsdrehung des Kopfes mittels, der im Kollektiv Effektiven, Choreographie der Halsmuskulatur genug Raum zu verschaffen. Der Blick weitet sich in das gedämmte Kerzenlicht der Öllampe am nächsten Tisch. Diese wirkt für einen einzigen Moment ihres, auf einen Sinn reduzierten, Daseins als Versprechung der Glückseligkeit. Dieser Moment sprengt die Ketten der Unfreiheit und lässt die Kerze darauf Hoffen eine Wahl haben zu können. Gottfried erkennt mittlerweile seine Missinterpretation und ist drauf und dran sein Blick zurück auf sein Gegenüber zu richten, als Johann Richter, eben dieser, sagt:

“Nein! Verstehst du das?”

By Farzam Fardowsi


Farzam Seyed Fardowsi, 2013

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2 thoughts on “Der Zeiger (oder auch Verstehst du das oder hab ich es dir gezeigt?)

  1. Schöner Text. Vor allem der letzte Satz. 🙂

    Es stellt sich die Frage, wie weit Beschreibbarkeit gehen muss. Macht kliack oder klack einen Unterschied, wenn sich jemand das Ticken einer Uhr vorstellen soll? Oder stellen wir uns vielleicht selbst beim simplen tick-tack nicht jeder eine andere Uhr vor… die, von der wir es am häufigsten gehört haben?

    Eines noch – bei “Backe” denke ich an einen Teil des Gesäß’. Deshalb musste ich im ersten Moment stutzen und überlegen, wie da wohin gehauen wird. *ggg* Beim Gesicht würde ich es Wange nennen, obwohl mal zum Beispiel sagt “dicke Backen machen” oder “rote Bäckchen” haben.

    • Definitiv, letztlich deuten wir immer in Form und Sinn. Aber so mancher verirrt sich dann nur noch auf die Seite der Form (oder Sprache) und der Andere oft nur noch in den Sinn (oder Bedeutung) aber beides ist nun einmal zusammen erst weiterführend.

      Hehe muss mir jetzt mal darüber Gedanken machen, ob ich das mit der “Backe” so nicht sogar besser finde und es gerade aus diesem Grund stehen lassen soll. . 🙂

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