Erwachen aus der Taubheit der Alltäglichkeit

7

Der kalte Duft von Kaffee und ein Hauch von Kotze weckt mich auf. “Wo bin ich eigentlich?” frag ich mich selbst. Dann erinnere ich mich an meinen Sturz und ich springe schlagartig auf. Ein stechender Schmerz durchzieht vom Hals an abwärts meinen ganzen Körper. Ich versuche eine Stellung zu finden, die den Schmerz nachlassen lässt, verharre aber letzten Endens eigentlich nur und lasse die Welle der Unerträglichkeit über mich ergehen.

Dazu kommt eine nicht zu verachtende Ladung Kopfschmerzen. Mein Kopf hämmert mir die Erinnerung immer und immer wieder ein, dass ich letzte Nacht Alkohol getrunken habe und als ob das nicht genug wäre, beschließt mein Hals, dass ich für die nächste Zeit nur nach vorne schauen darf, wenn ich mich nicht mit einem unglaublich hohlen Schmerz rumschlagen will. Genau, ich habe nen Kater und ne Halsstarre noch dazu. Ein neuer Versuch aufzustehen, diesmal vorsichtiger. Es gelingt mir, wenn auch nicht gerade elegant. Ich versuche mich trotz der Halsstarre umzuschauen und zucke kurz zusammen vor Schreck, als ich eine Person im Zimmer erhasche. Ich werfe die Arme bei starr bleibenden Oberarmen, ab dem Ellbogen, in die Luft und quieke wie ein aufgeregtes Meerschweinchen. Im nächsten Moment erblicke ich mich jedoch in einem Spiegel gegenüber dem Bett, und bemerke, dass die andere Person nur ich selbst bin und dass ich mich gerade bewege, wie einer von der Muppetshow. Ich steh auf und geh aus dem Zimmer. Ich schau mich um. Überall liegt Müll herum. Einige Gäste sind schon oder noch wach und unterhalten sich auf dem Balkon. Einige andere liegen hier und da, wo auch immer sich ein Hinlegen im Minimum angeboten hat, rum. Ich steige über ein paar Körper und versuche, möglichst ohne meinen Hals daran zu erinnern in Schmerz wieder aufzuschreien, zur Haustür zu kommen. Auf dem Weg in die Küche erblicke ich einige andere Leute in irgendwelchen Ecken rumliegen und vor sich hin dösen. In der Küche sitzt ein offensichtlich noch besoffener Lars herum und lächelt mich betrunken an.

“Da bist du ja! Komm wir frühstücken miteinander!”

“Lars! Hast du eigentlich geschlafen?” frag ich ihn, weil er nicht wirklich den Eindruck macht.

“Ja klar ein, zwei Stunden. Aber ist doch egal, ich bin hier du bist hier und wir können erstmal was zusammen essen.”

Ich setz mich zaghaft hin und schau ihm dabei zu, wie er alles mögliche aus dem Kühlschrank packt. Er streicht zwei Brote mit Butter ein. Packt Käse drauf und reicht mir eins. Ich probiere ein Bissen und bemerke, dass ich gerade alles andere als hungrig bin.

“Weißt du, dass ich eigentlich die alten Zeiten vermisse!”

“Welche alten Zeiten?” frage ich verdutzt.

“Als wir noch alle zusammen abhingen. Bevor wir alle in andere Richtungen losgezogen sind, um unser Leben aufzubauen.”

“Aber Lars das ist doch normal!”

“Stop mein Freund! Ich habe nicht gesagt, dass es unnormal wäre. Ich wollte nur anmerken, dass ich die alte Zeit vermisse. Michael, Lex und Jakob, Ich und Lea, du und Christine…!”

Ich schau weg und er bemerkt meine Reaktion. Ich erinnere mich an die Zeit. Damals war alles so unbeschwert. Alles passte zusammen. Wir haben gerade gemeinsam eine, nein unsere, erste Wohnung gemietet und uns eine eigene Welt erschaffen. Uns war egal was da draußen in der Welt geschah, denn wir hatten uns und mehr brauchten wir nicht, zumindest dachte ich das. Bis Lex angefangen hat nach seiner wahren Bestimmung zu suchen. Er zog aus und damit brach eine Zeit der Selbstbestimmung an. Jeder von uns hatte ein “Wir” in der Gruppe, doch wenn sowas auch nur annähernd dem Ende neigt, erkennt man, dass man sich bisher zusehr mit dem Wir und zuwenig mit dem Ich beschäftigt hat. Christine ging mir daraufhin fremd. Nicht weil wir unglücklich waren, sondern weil wir glücklich waren und gerade das ein Problem für sie war. Sie wollte nicht wahrhaben, dass etwas gut läuft. Erst hat sie Probleme erzeugt, doch diese haben wir bewältigt. Nach und nach wurden die Gründe und die Probleme immer unwirklicher und eher von gezeugter Natur bis ich sie darauf angesprochen habe…ihre Antwort…eine Affäre. Hätte sie bloß einfach Schluss gemacht, hätte ich das wahrscheinlich eher verkraftet. Lange Zeit hatte ich daraufhin daran zu knabbern gehabt und war sehr auf mich und meine Enttäuschung zurückgeworfen. Michael ist einige Zeit danach ausgezogen und hat ne Ausbildung als Steinmetz angefangen. Jakob ging seiner Berufung der Kunst nach und wollte nicht davon Leben, nicht damit Leben, sondern dafür Leben. So ging er erstmal auf Wanderung, um herauszufinden, was das für ihn überhaupt bedeutet. Die einzigen, die am längsten mit mir ausgeharrt haben, waren Lars und Leah. Es war eigentlich ein glückliches Pärchen und ich bin froh dass sie mir noch so lange geblieben waren. Doch auch in ihrer Beziehung bröckelte es schon, denn Leah war sehr eifersüchtig und dadurch, dass wir nicht mehr die alte Gruppe waren, kamen immer neue Freunde hinzu und damit neue potenzielle Frauen, die ihr Lars wegnehmen konnten. Dieses Spiel hat Lars noch eine Weile mitgemacht, bis es ihm zuviel wurde, weil sie einmal aus dem Irrglauben heraus, er wäre ihr fremd gegangen, eine SMS geschickt hat, vollgepackt mit Beleidigungen, Drohungen. All das wäre für Lars nicht der ausschlaggebende Punkt gewesen, aber der Satz, dass sie mit ihm Schluss machen muss, weil er ihr untreu ist, hat ihm den Rest gegeben und er hat sich daraufhin einfach nicht mehr bei ihr gemeldet. Jahre lang. Bis wir es letztes Jahr erst geschafft haben die beiden nach einer langen Zeit mal wieder zusammen zu bringen, damit sie ihre Differenzen mal auszudiskutieren. Seitdem können sie sich wieder ab, aber es erscheint immer wieder, als ob das Ganze nur auf einem Waffenstillstand basiert.

“Komm iss erstmal was! Wie geht es deinem Kopf?” fragt mich Lars.

” Hat beschlossen mit meinem Hals in eine neue Zukunft zu schauen!” Sag ich etwas sarkastisch. Lars schaut mich verdutzt an. “Hab ne Halsstarre… kann nur noch nach vorne schauen!” versuch ich meinen gescheiterten Witz zu retten. Lars kichert etwas vor sich hin.

“Wo war eigentlich Michael plötzlich hin?” frag ich Lars.

“Weiß nicht! Hat was von einer Mission gelabert und war danach verschwunden.”

“Ich frag mich was er wieder geplant hat!”

“Gute Frage, er war allerdings blau und ich würde mich nicht wundern, wenn er mal wieder unterwegs war, öffentliche Werbereklamen zu verunstalten!”

“Oh ja! Hab ich ja ganz vergessen! Was hatte er als letztes nochmal gemacht?”

“Er hatte doch auf den ganzen Werbetafeln, den Satz des Pythagoras draufgekritzelt, weil er meinte man soll gefälligst, von den Tafeln was lernen und nicht irgendwelchen Konsumhirngespinnsten nachjagen!”

Ich kichere, “Der ist ein Spinner!” Wir beide lachen ein bisschen vor uns hin.

“Sag mal, du hast gestern von so einer rothaarigen gesprochen…”

“Ja ich hab sie gestern auf der Party gesehen und sie war…” Ich stockte, mir sind alle Worte zu schlecht um sie ihrer Beschreibung zu benutzen. Zumindest der Beschreibung wie ich sie sehe. Ich denke darüber nach, was sich in letzter Zeit für eine gequollene Scheiße in meinem Kopf als Gedanken aufdrängen. Ich fühle mich, wie in einem schlechten Erotikroman, der meistens einen weiblichen Namen hat und als Zusatz einen Untertitel, der in Sachen Originalität gleich hinter dem berühmten Pornoklassiker ‘Die, mit dem großen Schwanz tanzt’ steht. Und da fällt mir plötzlich ein ” sag mal, als ich auf dem Boden lag, hat sie doch nach dir gerufen! Sie muss dich kennen, weil sie nach deinem Namen gerufen hat. Also kennst du sie doch…” Ich schaue ihn erwartungsvoll an.

“Ach krass! Du meinst doch nicht etwa die Mira?”

“Keine Ahnung sag du es mir!” Wir stehen beide auf und schauen uns gegenseitig an. Lars setzt sich hin und schüttelt wischend die Hand vor meinem Gesicht hin und her.

“Niemals! vergiss es Alter! Die kannst du nicht flachlegen!”

“Wer sagt denn, dass ich sie flachlegen will!” sprudelt es aus mir heraus. “Komm schon sag mir wer sie ist!”

“Ist die Ex vom Kai!”

“Wer ist Kai?”

“Du kennst doch wohl Kai oder etwa nicht? Wegen dem sind wir doch letztes mal auf die Party im Joy reingekommen. Silvester!” Sagt er als ob es eines der unvergesslichsten Abende meines Lebens gewesen wäre.

“Ach der Kai!”

In meinem Kopf schießen Bilder von Eiseskälte, Warten und einer Befreiung von diesem Leid vorbei.

“Hat der uns nicht auch eine Trinkflatrate besorgt?”

“Genau der Kai!” grinst mich Lars an.

Weitere Bilder von Shots, die wir in Sekunden runterkippen, bis hin zu Wasserfällen von Tequila und Vodka, die auf uns hereinprasseln. Schwammige Erinnerungen an Mädels, Küssen, nackte Haut, die aufeinander reibt, Kotzen im bad.

“Ist der überhaupt fähig ne Beziehung zu führen?”

“das war ja das Problem! Ist ihr mindestens zwei Hände voll fremd gegangen! Hat die Kleine nie verkraftet. Hat sich seitdem in der Hinsicht zurückgezogen und arbeitet an ihrem Projekt. War schon ein Wunder, dass sie überhaupt gestern hier war.”

“Was denn für ein Projekt?”

“Ich weiß es nicht! Keiner weiß es. Ich weiß nur, dass sie seit dem Vorfall von der Bildfläche verschwunden ist und ein Projekt der Grund sein soll.”

Ich überlege, was das wohl für ein Projekt sein kann. Ich verfliege in Träume über heldenhafte Taten, künstlerische Werke, moralische Verpflichtungen gegenüber Kindern in der dritten Welt, Weltpräsidentschaft, alles konnte ich mir für sie vorstellen.

Lars schnippst in die Luft ” hey hey, bleib bei mir! Wo bist du denn schon wieder hingeflogen sag mal?”

“Ach nix” schmunzel ich zurück, wohl-nicht-zurückgekehrter-weise.

“Jedenfalls gib es auf! Dass sie schon gestern hier war, ist ein Wunder. Dass du überhaupt in deinem Delirium mit ihr geredet hast, ist ein noch größeres. Ich hab gehört sie soll sehr harsch gegenüber allen männlichen Annäherungsversuchen sein, deiner war zwar pathetisch, aber sei mal froh, dass sie mehr als zwei Sätze mit dir gewechselt hat.”

“Ich weiß gar nicht was sie gesagt oder was ich überhaupt gesagt habt mehr!”

“Sag mal warst du blau?”

“Wohl eher Pink würd ich sagen! Ich weiß nicht was an ihr ist, aber ich will sie kennen lernen!”

“Du bist mir auch ganz schon pink alter. Was ist los mit dir? Mister Player auf Abwegen oder was?”

“Ach komm, du übertreibst! Ich bin doch kein Player!”

“Hehe dafür verhältst du dich auch viel zu sehr wie eine Frau!”

Ich schaue verachtend weg und doch erwisch ich mich am Schmunzeln. Ich weiß nicht, was sie mit mir angestellt hat oder auch wer oder was sie ist, aber irgendwie ist mir auch egal ne Frau genannt zu werden, wenn es um sie geht!

Wir unterhalten uns noch ein ganze Weile über alte Zeiten und alte Träume. Was sind meine alten Träume? Im Gespräch bemerke ich eine Melancholie, die sich in mir breit macht, denn ich bin nicht mehr sicher, ob ich je welche gehabt hab. Ja ich weiß, was ich als Kind werden wollte. Ich kenne die Prinzipien, die hinter meinen Wünschen stehen, aber kenn ich auch meine Wünsche wirklich? Ich wollte immer helfen! Ein guter Mensch sein. Doch mir selber konnte ich nie wirklich helfen. Ich wusste, was den Anderen gut tut, aber dem was mir gut tut, hab ich nie genug Platz eingeräumt. Menschen werden älter und sehen das Ganze aus einer anderen Perspektive. Nicht mehr die Subjektive, sondern eine Objektive, zumindest meinen sie das zu sehen. Doch dabei verlieren wir uns immer mehr in Restriktionen, die uns einen Schleier um unsere Wünsche ziehen. Ich darf hier nicht trinken, ich muss Geld verdienen, all diese Verbote, wo kommen die her? Warum sind wir so vernarrt darin Leute zu finden, die uns akzeptieren, für das was wir sind, was wir nicht einmal selbst verstehen?

Weil, wenn es einen anderen Part gibt, der darin etwas findet und uns trotzdem liebt, wird es wohl was gutes sein, denken wir innerlich. Dafür machen wir diese Verbote, wir machen uns zu Etwas, was lobenswert oder liebenswert ist und versuchen das zu sein, was den meisten gefällt, auch wenn es uns nicht gefällt. Ich bin kein Mensch, der auf anarchische Zustände oder grenzenlose Freiheit steht. Das war ich nie! Ich glaube an die innere Vernunft und vor allem, dass ich sie hab… wir alle sie haben! Aber aus Angst davor so gesehen zu werden, wie genau diejenigen, die diese Vernunft nicht besitzen, mach ich mich nur noch mehr zu einem Sklaven meines inneren Vernunftstrebers. Ich verschenke mein Glücksgefühl an die Ewigkeit. Riskiere nix und fahre nicht über Los, denn dann könnte ich ja was bekommen, dass ich nicht verlieren darf. Was ich beschützen muss! Diese Verantwortungen sind wir Leid. Wir wollen nicht mal Verantwortung für uns selbst übernehmen. Wir wollen in der gesichtslosen Szenerie der Gesetze und Restriktion einfließen und unser eigenes Sein einem Ideellen Dämon verschenken, dem wir nacheifern, weil wir ihm vertrauen uns unsere Wünsche zu erfüllen und uns zu überzeugen, richtig gelebt zu haben.

Langsam überkommt mich doch eine Müdigkeit und eine Sehnsucht nach meinem eigenen Bett. Ich fühle mich nicht danach, als hätte ich 6 Stunden geschlafen. Die letzte Zeit ist einfach zuviel auf einmal passiert.

“Hör mal Lars ich glaub ich will gehen!”, sag ich und steh auf.

“Och komm schon! Bleib ein bissel! Wir können ja gucken welche der Leichen noch in guter Laune ist und finden dir ne Andere” sagt er und schaut mich geckenhaft an.

“vergiss es alter! Bin viel zu fertig und will nur Heim etwas ruhen!”

“Ok ich verstehe das! Bin dir auch nicht Böse!” sagt er in einem ironischen Ton.

“Komm Lars du weißt ich bin für alles zu haben, aber nur nicht mehr jetzt, vorallem “mehr” ist hier das Stichwort!” schmunzel ich ihn an, nach Vergebung suchend.

“Ja ich weiß! Geh nachhause kleiner Mann und morgen ist ein neuer Tag ein neuer Fluch!”

“Wirst du jetzt poetisch oder was? Schlaf dich aus Lars! Ich meld mich demnächst!”

“Hau rein!” verabschiedet er sich und ich gehe.

Ich blicke mich noch einmal um, nehme einen tiefen Atemzug eau d’ alcole und versuche abzuwägen, ob ich sie jetzt hier nochmal suchen sollte. Dann wiederum werde ich mir bewusst, wie wenig ich ihr im Moment zu sagen habe, ganz zu Schweigen von der Scham gegenüber dem Vorfall gestern, ganz zu Schweigen, dass sie eh nicht da ist.

Dem Ganzen einfach den Rücken zukehrn.

Ich dreh mich um und gehe!

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2 thoughts on “Erwachen aus der Taubheit der Alltäglichkeit

  1. Farzam jan,

    ich habe diesen Text hier letzte Nacht bereits gelesen. Ich glaube, das, was bei mir besonders hängengeblieben ist, sind die “Zeiten, die sich ändern”, weil die Ziele sich ändern. Warum verändern sich die Ziele? Warum “reicht” uns das Abhängen mit Freunden nicht mehr aus, und wenn dem so wäre, wieso sehnen wir uns dennoch so sehr danach zurück? Ich habe bei mir das Gefühl, dass einige Freundschaften heute nur halten, weil wir damals eine schöne Zeit hatten. Noch Jahre danach zehren wir davon, dass wir einst magische Momente hatten. Hätte ich mit allen von ihnen heute noch zu tun, hätte ich sie jetzt erst kennengelernt? Ich möchte mir die Frage gar nicht beantworten.

    Zum Mutterschoß der Vergangenheit zurück wollen und doch fliehen. Bei mir ist diese Ambivalenz zurückgeblieben, als ich fertig war mit deinem Text. Im Moment überwiegt dennoch die Sehnsucht nach “zurück” bei mir. In einer halben Stunde ist es wieder anders, weil ich dann mein Leben liebe.

    Hab’ einen schönen Dienstag.

    • Danke Sherry jan  für deine Gedanken. Also zunächst möchte ich sagen, dass ich mich eigentlich nicht wirklich zurück sehne. Ich habe zwar aus materieller Hinsicht eine relativ unbeschwerte Vergangenheit gehabt, allerdings habe ich in emotionaler Hinsicht viele Wunden, die auch heute auf viele Aspekte meines Lebens ihre Schatten werfen. Sicherlich war auch sehr viel Schönes dabei und wenn ich mich an diese Erlebnisse mit Freunden und Familie erinnere, erfüllt es mich mit Nostalgie und Sehnsucht. Jedoch kann ich nicht vergessen, dass all diese Erinnerungen vor jenen Erlebnissen standen, die ich froh bin, hinter mich gebracht zu haben.
      Meine Familie und Freunde haben sich sicherlich auch verändert, doch sie werden immer einen Platz haben, wo ich sie immer so sehen werde, wie sie waren, undzwar in meinem Herzen. Deswegen kann ich auch in ihren Veränderungen dennoch ihr damaliges Sein wiederentdecken, auch wenn ich lange nicht mehr mit ihnen abgehangen habe. Aber mein Leben dreht sich halt auch nicht mehr um ein „Wir“ in einem beschränkten Sinne (Also nur der eine Freundeskreis), sondern ein „Wir“ in einem ganzheitlicheren (Viele neue Freunde, weiterer Horizont als damals). Und da muss „Ich“ mich erst einmal auf das konzentrieren, was bei mir geschieht. Nein ich lebe nicht für die Vergangenheit! Ich leide an der Zukunft und wünsche mir ein Jetzt. Ich liebe mein Leben und möchte nicht permanent in der Zukunft hängen. Dennoch kann ich voll nachempfinden, warum man sich nach dem Schoß der Mutter sehnt. Ist es nicht der Wunsch nach Sicherheit, das Zurückfliehen des Selbst in das bereits Erlebte, Bewertete und für Gut Befundene. Ich erwische mich oft dabei. Dennoch bleibt es nur als Betrachtung, keine Sehnsucht. Allerdings muss ich zugeben, dass das bei mir erst heute so ist. Es gab Zeiten in denen ich mich tatsächlich danach sehnte. Ich lebte damals noch sehr in der Vergangenheit. Aufgrund von den Erlebnissen und den Traumatas, die sie in mir auslösten. Doch diese sind vorbei. Ich schwärme vielleicht noch von damals. Aber ich will lieber jetzt sein und mein Leben endlich erleben, denn jung bin ich mittlerweile auch nicht mehr.
      Das Studium der Philosophie und Psychologie hat mir da viel geholfen. Aber das Leben der Philosophie, das Leben der Liebe, der Einklang mit der eigenen Psyche, das sind die Dinge, die ich hier und jetzt haben möchte. Und da reicht halt auch das reine abhängen mit den Freunden nicht aus. Keiner ist vollkommen und keiner kann Selbstgenügsam sein. Denn wir sind immer in der Welt und wir sind immer mit der Welt zu dem geworden, was wir sind. Wir brauchen immer Einander und je unabhängiger und dennoch inniger , desto besser. Genauso brauche ich auch neben Freunden, Familie und anderen Menschen auch die Liebe. Ich

      Wünsche dir auch einen schönen Dienstag 🙂

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