4.1 Ist ein Wunder doch nur ne Verwunderung?

Im Schatten der Röte werd ich Horny

Der nächste Tag fängt spät an. Um genau zu sein hat er schon lange aufgehört. Ich wache Abends auf und es ist schon dunkel. Mein Nacken lässt schon mehr Spielraum zu, aber vergisst einfach noch nicht was vorgefallen ist. Ich stehe schlapp auf, geh in die Küche runter und bemerke, dass anscheinend keiner meiner Mitbewohner mehr da ist. Ich setz mir nen Kaffee auf und als ich mich umdrehe sitzt Gregor da.

“Hallo Gregor!” sag ich völlig abwesend. “OH MEIN GOTT!” schreie ich auf. “Wie bist du hier hereingekommen!?” fasele ich wirr vor mich hin, während ich in der Küche hin und her stapfe.

“Hmm ja, gute Frage, äußerst passend, wenn es an jemanden gerichtet wär, der naja, NICHT ein Engel ist!”

Diesmal sitzt er gelassen in einem Morgenmantel an unserem Küchentisch und hält eine Zigarre in der Hand.

“DU BIST KEIN ENGEL!”, schrei ich ihn an, “Ich will es nicht mehr hören.” Mir stockt der Atem “-Du bist doch kein Stalker oder?” Ich versuche das Telefon zu orten.

“Hehe Stalker, ja der war gut!” kichert er vor sich hin. “So gesehen stalken euch Engel eigentlich die ganze Zeit!” schmunzelt er.

“Alter du machst mich Irre! Geh raus, lass mich in Frieden!” geb ich verzweifelt von mir als ein Versuch mich endlich nicht mehr damit zu plagen.

“Hmm also nee, das ist jetzt schwierig zu erklären, aber das ist keine Wahl, die du in nächster Zeit treffen kannst!”

“Was meinst du damit?” frag ich ihn das Schlimmste befürchtend.

“Also wenn du in der Schule auch so schwer von Begriff warst wie jetzt….” sagt er vorwurfsvoll und mit strenger Miene.

“WAS MEINST DU DAMIT?”, schrei ich auf meine Hände zum Himmel werfend, ermüdet und der Verzweifelung nahe.

“Versetz dich in die Lage eines Menschen, der auch nur für einen Moment begreift, dass ein Engel gerade vor ihm sitzt, was wird der Grund seines Besuches wohl sein?”

“Eine ziemlich abgefahrene Psychose?”

Er schmunzelt schon wieder. Mein Gott wie ich sein Schmunzeln hasse. Er bräuchte nur noch beim Reden schmatzen, dann hätte er den Ekel in vollem Umfang in mir ausgelöst.

“Ja nein, ne Psychose hast du eben nicht mein Freund!”

“Wer sagt dass ich sie habe, ich dachte an eine andere Person hier im Raum!” werfe ich ihm seinen Vorwurf zurück.

“Oh echt! Sind deine Mitbewohner noch da… Ich wusste nicht!”, er hält kurz inne nachdenkend, “Sorry schlechtes Timing…”

“DICH! DICH mein ich!”

“Achsooo, hehe, ja nein.” ,sagt er völlig beiläufig, “Aber netter Versuch! Wenn du das nächste Mal einen Witz machen willst versuch die Pointe ein bisschen mehr….”

“Alter was willst du?” frag ich ihn und weine schon fast.

“Ok ich sehe wir brauchen erstmal eine Vertrauensbasis. Es ist in letzter Zeit wirklich schwer mit dir zu reden!”

“Oh ja sorry ich hab ganz vergessen, DASS WIR SCHON IMMER NETTE PLAUDEREIEN HATTEN!”

“Siehst du! Jetzt wirst du schon wieder so grantig und schreist und so..”

Ich bin am Ende mit meinen Nerven. Ich möchte ihn anschreien und verprügeln und aus meiner Wohnung schmeißen. Ich hole tief Luft und setze zum Brüllen an, mache mein Mund auf und bemerke dann plötzlich, dass da keine Worte rauskommen, sondern ein unendlich tiefes Muuuuhn. Ein Ausruf eines Rindes mit allen stimmbrüchigen Facetten, die so ein Geräusch mit sich bringt.

Mir Stockt der Atmen. Ich versuche gelassen das zu rekapitulieren, was zum Henker gerade aus meinem Mund rauskam. Gregor sitzt mir gegenüber in einem Schneidersitz auf dem Tisch und grinst mich schelmisch an. Ich schüttel meinen Kopf, um ein Nein zu signalisieren. Er nickt sichtlich zufrieden. Das kann nicht sein. Er kann nicht ernsthaft der Grund für mein Muuhen sein oder? “Muuuuuuuuh?”  “muuu…” “Mh?”

“gib es auf!” sagt er mal wieder schelmisch und diesmal hör ich einen leichten Ansatz von Schmatzen “Solange ich es nicht änder, wirst du mir nichts weiteres sagen können als …” er wartet darauf, dass ich was sage. Ich hasse ihn und dennoch blick ich zur Seite und gebe ihm lustlos ihm

“Muuuuuhhh…”

Stille.

Das Geräusch des Heizkörpers setzt ein, um irgendwo im Haus einer Person ein wunderbar angenehmes warmes Bad zu heizen. Draußen hört man einige Autos und Leute, die an unserem Haus vorbeigehen und lautstark über etwas diskutieren.

“Ich sagte doch hör mir ZUUUUH! Du bist in einem Zustand, nennen wir es veränderter Realität! Im Moment hast du erkannt, dass du nicht sprichst, sondern das Geräusch einer Kuh ziemlich exakt wiedergibst. Das wird so lange anhalten, bis ich dir genau erkläre warum das nicht stimmt!”

Ich schüttel wirr den Kopf und packe mir an meinen Hals. Ich habe zu viel Angst um es nochmal auszuprobieren.

Gregor steht auf und geht gelassen ein paar Schritte durch die Küche.

“Weißt du. Du bereitest mir echt eine harte Zeit! Nicht, dass es nicht schon genug ist, dass ich mein Leben lang hier in dieser Welt bleiben muss. Jetzt wurde ich auch noch einer Anomalie zugeordnet, die sich einfach nicht festlegen will!”

Ich verzieh mein Gesicht unverständnisvoll.

“Es ist einfach schon schwer genug euch Menschen, dass zu geben, was ihr wollt und dafür zu sorgen, dass ihr es auch schätzt. Jetzt kommst du daher gelaufen und willst noch nicht mal was Bestimmtes. Dann geb ich dir die Chance, das im Nachhinein zu entscheiden und du machst dich lustig über mich. Es wurde folgendes entschieden:”, er baut sich auf und stellt sich mit den Armen an die Seite verschränkt hin, “Derjenige, dessen Vertrag es ist, keinen Vertrag zu haben, soll im Ausgleich an der intellektuellen Anschauung, bis zu einem gewissen Grad, teilhaben. Der Grad der Teilhabe wird an seinen Wünschen und Ängsten bemessen.”

Er schaut mich erwartungsvoll an, als ob ich ihm eine Reaktion geben müsste. Ich schüttel wieder un-verständnisvoll meinen Kopf und mache eine Geste, die ihm signalisiert, dass ich nichts aber auch gar nichts verstehe.

“Du weißt nicht was eine intellektuelle Anschauung ist?”

Ich schüttel mein Kopf, mal wieder.

“Es ist eine Anschauung über die Prinzipien dieser Welt. Wer die Prinzipien dieser Welt anschauen kann, kann verstehen wie diese Welt ist. Mit anderen Worten, dem Menschen ist eine Welt immer nur gegeben. Du schaust sie an und versuchst sie zu verstehen. Wenn du aber die Prinzipien dieser Welt anschauen kannst, dann kannst du verstehen wie diese Welt gegeben wird. Das heißt auch, wie sie anders gegeben werden kann, das heißt, auch ganz anders. In deinem Fall mein Freund, ist diese Anschauung an deine Wünsche und Ängste gebunden. Das bedeutet, je nachdem wie stark du dir etwas wünschst, wird die Welt dir diesen Wunsch in sich hervorbringen, allerdings ist Angst auch eine Form von Wunsch. Es ist die negative Form. Wenn du nicht völlig angstfrei wünschst, wird es nicht funktionieren. Allerdings erfüllen sich auch deine Ängste, wenn du nicht aufpasst.”

Ich versuche das ganze irgendwie zu schlucken. Ich schlage mit der flachen Hand gegen mein Kehlkopf und versuche ihm damit klar zu machen, dass ich eine Frage hab.

“Deine Stimme ist normal!” Sagt er grinsend, während er mit einer Hand durch die Luft wischt. Ich stoße ein Ton von mir um es zu überprüfen und als ich bemerke, dass es keine tiefe Kuh-Stimme ist, die dabei herauskommt, hol ich Luft und frage: ” Was heißt das Ganze?”

Gregor schaut enttäuscht “Du bist wohl wirklich nicht der Hellste?”

“Nein, das bin ich wohl nicht!”

Er guckt sauer weg und äfft mich nach “‘Na, nänana näna!’- also du bekommst, was du dir wünscht, wenn du es wirklich willst. Allerdings kann deine Angst das auch verhindern! Du musst es also wirklich und ohne Angst wollen”

“Und warum jetzt auf einmal?”

“Weiß nicht, frag den Big Boss! Keine Ahnung irgendwas von Ausgleich und Harmonie oder so gefaselt!” Er wirft sein Kopf schnell demütig runter und brettert ein Herr ich preise deinen Namen runter.

“Gibt es Bedingungen?”

“Klar gibt es diiiee… Ich glaub’s nicht… Denkst du schon wieder an Fliegen oder sowas?”

“Nein” lüge ich

“Du kannst nicht die Grundprinzipien dieser Welt aufheben. Oben ist oben und unten ist unten. Was du machen kannst ist einen Einfluss auf die Zukunft haben, sodass deine Wünsche sich erfüllen. Allerdings beginnt der neue Vertragszusatz erst ab morgen.”

“Aha und sagen wir mal, ich will meine Nachbarin nackt sehen….!”

Er guckt mich böse an.

“Das wär wohl so unanständig, dass die Realität mir ne Ohrfeige geben würde?!” sage ich fragend.

“Nein natürlich wirst du sie dann nackt sehen, wusste nur nicht dass du so einen Geschmack hast”, sagt er und schüttelt seinen Kopf.

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2 thoughts on “4.1 Ist ein Wunder doch nur ne Verwunderung?

  1. vergnüglich zu lesen 🙂

    Lieber Farzam – Cojin Bain
    ♥ -liche Grüße Barbara

    Angst ist eine Form von Wunsch
    ein toller Satz …

    Übrigens besser muuuuuhen als Un-sinn (gemeint ist sinnentleert) reden.
    Unweigerlich kam mir dieses Bild in den Kopf:
    … laufe am Samstag durch München, sagen wir am Stacchus…
    dicht an dich gedrängte Menschenmassen …
    stelle mir gerade das Geblöke …
    ach, lassen wir das!

    Du bringst mich aber auch mit Deinen Geschichten auf seltsame Gedanken! *g*

    • Hihi!

      Ja das war auch meine Idee dabei! Nur, dass ich auf die Idee kam, als ich mal wieder feiern war und die Leute drumrum mir dieses Bild beschert haben. Wie bei einem Kuhhandel! 😉

      Vielen dank für deine aufbauenden Worte! Hab gestern mal bei dir im Blog reingeschaut und mir vorgenommen, da mal mit mehr Zeit reinzuschauen, weil mir gefiel was ich gesehen hab. 😀

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