1.2 Erste Meditation

zitat-in-der-meditation-geht-es-ganz-einfach-darum-man-selbst-zu-sein-und-sich-allmahlich-daruber-jon-kabat-zinn-107758

 

Warum den Unterschied zwischen Sein und Existenz machen fragt man sich? Nun ja in der Geschichte der Philosophie gab es schon immer einen Sachverhalt von großer Diskussion. Es geht hier um die Relation von Essenz und Existenz. Der Streit geht darum, ob es, vereinfacht ausgedrückt, erst etwas gibt, dass wir nach ihrem Wesen bestimmen oder ob das Wesen der Dinge vor ihrer Existenz war und wir sagen etwas existiert weil es dem Wesen entspricht.

Das ist zwar auch vereinfacht sehr kompliziert ausgedrückt, aber das liegt daran, dass der Sachverhalt sich auf Unmengen von Bereichen anwenden lassen lässt. Bin ich zu dem geworden wer ich bin, weil meine Essenz, noch vor meiner Existenz, quasi diktiert hat,  dass ich so werde? Ist Schicksal der Grund für die Existenz der Dinge? Kann man Dinge Lernen, weil man Dinge auf ihr Wesen zurückführen kann und deswegen versteht, wofür sie da sind, oder bestimmen wir an der Existenz eines Dinges für was es gut ist? Wie man sieht, ist das nur ein kleiner Teil der Bereiche, auf die diese Unterscheidung angewendet werden kann. Wie die Relation der Existenz und Essenz nun aussieht versuche ich im nachhinein zu bestimmen, doch ich kann jetzt schon sagen, dass ich das Gefühl habe, dass diese nicht zeitlich vor oder nachgeschaltet sind, sondern aus ihrer Relation zum Sein gleichzeitig entstehen. Und da viele Philosophen eben keinen Unterschied zwischen Sein und Existenz gemacht haben, gab es oftmals Verwirrung. Ein berühmtes Beispiel ist, dass Sartre dachte Heidegger wäre ein Existenzialist. Weil er einfach in seiner Philosophie von der Existenz spricht als wäre es Sein und Heidegger eben einen Unterschied darin macht. Wie eine Relation von Essenz und Existenz zum Sein aussieht oder wie diese Entstehung ist, die ich oben angesprochen habe, dass sind alles Themen, die ich mit dieser Meditation zu beantworten versuche.

Die Frage nach dem Unterschied von Sein und Existenz Bedarf in dieser Meditation einer intuitiven Überprüfung. Diese ist natürlich nicht ohne vorhergehende begriffliche Bestimmung derselben machbar. Existenz ist ein lateinischer Begriff und bedeutet Bestehen oder Dasein. Sein, dass durch diese Bestimmung natürlich schon in ihrer Bedeutung in der Existenz steckt, scheint dadurch inbegriffen, jedoch nicht als für sich bestimmt.  Das Ex- am Anfang von Existenz deutet ein heraustreten aus Etwas an. Das wiederum könnte bedeuten, dass das Objekt, auf das wir die Bestimmung existierend anwenden, durch ihr heraustreten aus Etwas, das Prädikat der Existenz erhält. Dazu fallen mir direkt viele Assoziationen ein. Austreten aus der Dunkelheit, austreten aus dem Nichts etc. Aber wie wär es, wenn man die Relation vereinfacht, indem man Sein und Nichts hinzu holt. Existenz wäre nach dieser Bestimmung das heraustreten eines Dinges aus dem Nichts durch das Sein desselben. Weil ich bin, bin ich nicht Nichts und dadurch hab ich eine Existenz. Wie diese Existenz ist, ist erstmal in diesem Gedanken noch nicht bestimmt. Kann aber durch die vorhergehende Überlegung Descartes (“Ich bin/ist ein denkendes Etwas”) als im mindesten als denkend und ich-seiend in Zusammenhang gestellt werden und somit nicht angezweifelt oder besser als nicht nicht-seiend gedacht werden. Doch wie ich vorhin angedeutet habe, ist in der Existenz ein mehr gegenüber dem Sein, was die Existenz in ihrer Stellung nicht vor das Sein stellt, sondern eher das Sein als Bedingung der Existenz möglich macht.

Dieses Bedingen stellt somit gegenüber dem Nichts ein Etwas. Das ist ja auch klar, weil außer, dass wir eine Idee von “Nichts” haben können und dass wir “Nichts” sprachlich ausdrücken können, schließt die Bedeutung von “Nichts” jegliches Sein aus. Nichts kann nicht sein! Die Aussage “Nichts ist” ist in ihrer Bedeutung schon nicht mehr ein “Nichts” sondern ein Etwas. Dementsprechend muss man natürlich auch sehr gründlich auf die Relation von “Nichts” und “Sein” eingehen und versuchen die Idee begreifbar zu machen.

Hier wird nicht von einem Vakuum gesprochen, was Physikalisten als “Nichts” gerne anwenden. Ich rede von der ursprünglichsten Bedeutung, die dem “Nichts” innewohnt. Der letzte Satz zeigt, dass allein der Versuch darüber nachzudenken, der Versuch ist “Nichts” in ein Sein-Verhältnis zu bringen, gar existierend zu machen und schon daher in seiner Ursprünglichkeit einschränkt, denn wie vorhin erwähnt wäre “Nichts” dann bedingt! Doch hierdurch entdecken wir ein weiteres Problem, dessen wir uns tagtäglich bedienen ohne je darüber die Frage zu stellen, in wieweit ist es möglich mit Sprache, die Welt zu erfassen oder gar zu verstehen? Ich finde in der heutigen Welt sich das bewusst zu werden ist sehr wichtig , denn wir reden, schreiben, bloggen, chatten mehr als je bevor und der Mensch nutzt die Sprache als wenn gar kein Zweifel darin liegt, dass jeder andere Mensch im Verstehen des Gegenübers einen gewaltigen Anteil an Gefühlen, Intuitionen, Absichten, Inhalte leider schlichtweg nicht mitbekommt, weil die Formulierung der Sprache schon sehr viel auslässt und auch das Filtern der Information noch einen gehörigen Anteil wieder ausfiltert.

Synopsis:

In dieser Meditation wurde Begründet warum Sein und Existenz einen Unterschied haben müssen, was die Relation zwischen Sein und Existenz ist und daraus folgend die Schwierigkeiten die das Analysieren der Begriffe Nichts und Sein und die Problematik, die aus der sprachlichen Anwendung derselben folgt, beleuchtet.

 

Bild dankend von hier

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3 thoughts on “1.2 Erste Meditation

  1. Ich würde dieses “Nichts” als ein unbeschriebenes weißes Blatt sehen. So glaube ich, dass wir als ein solches zur Welt kommen. Aber da sind auch in dem Blatt, auch wenn es unbeschrieben ist, alte Informationen drin. Nämlich die des Baumes, aus dessen Holz einmal das Papier gewonnen wurde… Also nicht nur, dass wir “geformt” werden in Seele und Geist durch das Erleben nach der Geburt, da ist die unsichtbare Energie, die schon lange vor und in uns fließt. Weißt du was ich meine?
    Das alles beeinflusst natürlich auch unsere Sprache, die sehr stark abhängig ist von der Gesamtentwicklung. Ich finde es traurig, dass unsere Sprache mehr und mehr verwischt, nicht mehr authentisch ist.
    Gerade beim Schreiben fällt mir immer wieder auf, wie oft es zu Missverständnissen kommt. Andererseits, wie spannend es ist, wie wir Texte durch unser eigenes Empfinden anders interpretieren und damit bereichern können.
    Danke für deinen so anregenden Text!

    ..grüßt dich Monika

    • Dein Gedanke ist richtig, aber kommt eher der Bestimmung der “Essenz” näher. Laut vielen Philosophen wäre das Verhältnis, also das Essenz vor der Existenz wäre genau das, dass wir als Tabula Rasa (das unbeschriebene Blatt) zur Welt kommen und dann an dieser Energie, die du beschrieben hast quasi anfangen auf das Blatt zu schreiben. Aber was ich mit dem “Nichts” vorhabe ist quasi den Schwerpunkt auf sein “Nichts kann nicht sein” zu legen. Weswegen ich das tun will ist folgendes. Ich will dieses “Nicht sein können” als eine Form von Wundertüte beschreiben, aus der wir immer wieder neues holen können (Die Welt durch unsere Erkenntnis immer wieder neu schaffen!). Und das liegt daran, dass das Nichts so vehement sich seinem Sein entzieht, dass jede Form der Bestimmung aus dem Nichts über das Sein neues hervorbringt, damit das Nichts sich quasi wieder dazu abgrenzen kann und sagen, hey das bin ich aber trotzdem nicht. 😉
      Daher kommt dieser Ur-Energie, die du beschreibst die Rolle des Sein zu, weil das Sein und das Nichts zwei Seiten einer Medaille, also Eines, nur mit verschiedenen Gesichtern. Das Sein erschafft alles aus dem Nichts und erhält diese, damit sie nicht wieder in das Nichts zurück gehen. Dadurch erkennt das Sein, was ja ein Eines mit dem Nichts ist, sich selbst bzw. versucht sich dadurch als Ganzes mit dem Nichts zu erkennen. Der Betrachter bzw. das Vernunftwesen hat aber auch die Fähigkeit, über das Denken und Beobachten zu erkennen und das Wesen (Essenz) und das Dasein (Existenz) der Dinge aktiv zu bestimmen, das heißt durch erkennen die Dinge so werden lassen wie sie sind. Und dieses Phänomen, das man erst im letzten Jahrhundert experimentell in der Quantenphysik über das “Doppelspaltexperiment” nachgewiesen hat, versuche ich als quasi Ur-Gabe oder das “Abbild-Sein” (sehr vorgeprägter Begriff leider) des Menschen vom Sein, herzuleiten.
      Aber ich finde deine Gedanken absolut richtig und wollte selber auch genau das gleiche, was du geschrieben hast einbauen, nur halt an anderer Stelle. 😉
      Danke nochmal für dein Kommentar und deine schönen Worte.

      Liebe Grüße
      Farzam

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