1.3. Erste Meditation (part 3)

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Bild von hier!

 

 

Also warum sich die Mühe machen überhaupt über das “Nichts” zu sprechen? Weil durch das Nicht-Sein-Können des Nichts demselben ein unendliches Potenzial innewohnt, auf das man nicht auf direktem Wegen, sondern erstmal zumindest auf indirektem Wege , zugreift, über das Sein.

Dafür muss man sich erstmal gewissen physikalischen Phänomenen bewusst werden. Einer dieser Phänomene ist Entropie. Entropie bedeutet vom Begriff her erstmal eine Einwendung, Inwendung oder Umwendung, wird aber klassisch als Umwandlung verstandenen. Die Entropie ist sehr sehr grob erklärt folgendes:

Wenn es ein abgeschlossenes physikalisches System gibt, gibt es immer eine Kraft, die darauf drängt sämtliche Bereiche des Raumes, sofern dort ein Vakuum herrscht (d.h. keine Materie vorhanden ist), einzunehmen. Am leichtesten kann man sich das an einem Saugnapf  klar machen. Sobald der Saugnapf an einer geeigneten Unterlage angedrückt wird, drückt man damit sämtliche Luft aus dem Zwischenraum. Der Saugnapf bleibt dadurch an dieser Oberfläche kleben, weil die äußere Luft, ganz grob erklärt, versucht den Raum wieder zu füllen, den man durch die Krafteinwirkung, sämtlicher Atome beraubt hat. Das hat zur Folge, dass die Luft leider nicht so einfach zurück kann, wegen dem Gummi, der jetzt sehr Eng mit der wand kuschelt, stattdessen die Luftteilchen quasi von außen gegen das Gummi drücken und somit quasi das Kuscheln des Gummis mit der Oberfläche, auf das es befestigt wurde, verstärken. So bleibt der Saugnapf so lange, bis von irgendwoher (Atome und Moleküle sind ziemlich kleine Teilchen) genug Luft in den Zwischenraum gerät, dass genug Teilchen da sind, dass es diesen Effekt wieder aufhebt. Was bedeutet das jetzt für Entropie?

Entropie heißt, wie gesagt sehr grob erklärt, dass in einem teilchenleeren Raum die Teilchen versuchen werden, sofern sie dahin gelangen, den gesamten Raum auszufüllen. Das Bedeutet, dass je weniger Teilchen in diesem Raum sind, umso heftiger diese umherschwirren, damit dieser Raum an jeden Ort gleich mit Teilchen gefüllt ist bzw. die chaotische Energie des Umherschwirrens wird umgewandelt in eine stabile Ordnung der gleichmäßigen Verteilung der Teilchen im Raum.  Die Einschränkung des Systems selbst, nehmen wir mal an das System wäre mit Wänden umgeben, würde irgendwann anfangen zu zerbersten je weniger Teilchen dort vorhanden sind, weil Wände auch aus Teilchen bestehen und diese halt in diesen Raum wollen.  Deswegen kann man zum Beispiel nicht wirklich ein perfektes Vakuum erzeugen. Man erzeugt damit so ein enormes Energiepotenzial, dieses Vakuum wieder ausfüllen zu wollen, dass quasi die Eingrenzung des System selbst kollabiert. Entropie ist in diesem Beispiel der Wert des Chaos, gemessen an dem chaotischen Hin-und-Her-Schwirrens der Teilchen, damit zu jedem Zeitpunkt an jedem Ort innerhalb des Systems Teilchen vorhanden sind (Vorsicht diese Beschreibung ist nur ein Modell zum Verständnis).

So jetzt stelle man sich vor man hätte ein perfektes Vakuum (Wirklich leeren Raum!) und man lässt nur ein einziges Atom hinein. (Das ist nur ein Gedankenexperiment, wegen den schon oben genannten Gründen!) Dann müsste dieses einzelne Atom so energetisch geladen sein, weil es keine anderen Atome gibt, die die Aufgabe des Raum-Einnehmens mit ihm teilen könnten, dass durch die Entropie, sofern wir uns ein perfektes System vorstellen (also nur ein Atom und sonst Nichts), das Teilchen dazu bringt quasi mit unendlich hohem Energiepotenzial zu versuchen, an jedem Ort des Systems gleichzeitig zu sein.

Gut! Wie schon gesagt soll das nur ein Veranschaulichungsmodell sein, denn sowohl so ein System herzustellen, als auch die Tatsache, dass die Entropie so gewaltig sein würde, dass das Atom in unendlich kleinere Bestandteile wahrscheinlich zerbersten würde, anstatt mit derselben Energie als Teilchen bleibend umherzuschwirren und natürlich, dass ein Vakuum und das Nichts, zwei sich ähnliche, aber verschiedene Voraussetzungen sind, sind wieder Details, die für meinen Gedanken erstmal zu weit gehen würden.

Dennoch kann man über dieses Modell eher verstehen, was ich meine, wenn ich sage, dass im Nichts, durch das Nicht-sein-Können ein immenses Potenzial inne wohnt, dessen man sich immer wieder bedient. Denn die Aussage “Ich bin Nichts!” erzeugt, im übertragenem Sinne verstanden, die selbe Potenzialität wie das einzelne Atom im Vakuum. Das Ich versucht etwas zu sein, das sich jeglicher Bestimmung entzieht. Das ist damit zu vergleichen, wie das einzelne Atom versucht an allen Orten gleichzeitig zu sein, im perfekten Vakuum. Wieder beim Ich, drängt sich mit energischem Auftreten immer vehementer der Gedanke ein “nicht” oder ein “Nein!” auf die Aussage “Ich bin Nichts!” zu drücken und damit dieser Instabilität zu entfliehen. Dieses “Nein!” bzw das energische “nicht” was sich in Verhältnis von Ich zu Nichts setzt und daraus “Ich bin nicht Nichts!” macht ist das Sein. Das Sein nimmt die potenzielle Energie aus dem Sich-Entziehen des Nichts und wandelt diese um, in das Sein des Ich. Damit wird das Ich im besten Fall als Ganzes aus dem Nichts, durch das Sein, existenziell bestimmt oder aus dem Ich, werden durch fragmentierte Heranführung, immer mehr Elemente abtrünnig gemacht, die aber nicht Nichts sind und somit im minimalen, als Partikel, Sein besitzende (ob sie jetzt zum Ich gehören oder nicht sei an dieser Stelle mal dahingestellt!), existenziell bestimmte Dinge sind. Diese potenzielle Energie, die das Sein in dieser Bestimmung benutzt kommt aus einer und vorerst der einzigen Bestimmung des “Nichts” nämlich:

Nichts ist nicht! (Der einzige Seins-Modus, indem Nichts sein kann ist ihre eigene Negation, ein Nicht-Sein!)

Das kommt daher, dass Sein und das Nichts eine Einheit sind, die aber aus ihrer begrifflichen Beschaffenheit sich gegenseitig negieren können. Das Sein ist demnach ein Nicht-Nichts und das Nichts ein Nicht-Sein. Man darf dabei nicht aus dem Auge verlieren, dass das Nicht-Nichts viel ursprünglicher ist als das Nicht-Sein, weil das Nicht-Sein nur ein Seinsmodus des Nichts ist, d.h. dass das Nichts in seiner ursprünglichen Bedeutung kein Seinsmodus besitzt und eigentlich erst nachdem das Sein sich durch das Bedingen über das negieren aus dem Nichts getrennt hat das Nichts über das Sein durch dessen Negation auf sich beziehen kann. Bevor das Sein sich aus dem Nichts als Nicht-Sein getrennt hat (wodurch die Zeit und Raum auch erst beginnt), war Nichts, nicht zeitlich, nicht räumlich, einfach Nichts. Dieser Zustand hat aus seiner Instabilität des nicht Seins die Erste Negation hervorgerufen, die des Nicht-Nichts (Sein) und dann, durch die Negation des Nicht-Nichts also durch das Nicht-Sein einen Raum eröffnet als Differenz zum Sein. Dieser Raum ist höchst instabil, denn das Verhältnis von Sein zu Nichts ist ein absoluter und eines aus dem selben Grund und somit eine Einheit in ihrer Polarität. Das Sein versucht somit das Nichts zu bestimmen. Diese Entwicklung erzeugt ein Paradox. Denn wenn das Sein über das Nichts bestimmt wird und das Nichts rekurrierend  erst über das Sein ist die existenzielle Bestimmung des Nichts und dadurch das Bedingen von Nichts das Erschaffen eines Etwas, das nicht Nichts ist, aber gleichzeitig nicht das Sein in seiner Ganzen Bedeutung. Es ist das Etwas, das ist und nicht Nichts.

 

 

Synopsis: Es wurde erklärt, warum das  Nicht-Sein-Können des “Nichts” gerade förderlich ist für die existenzielle Bestimmung des Ich durch das Sein. Dazu wurde ein Modell auf Basis von Entropie und das Gedankenbeispiel (Einsames Atom im Vakuum) zur Hilfe genommen.
Weiter ist der Versuch gestartet worden einen Mythos um die Entstehung der Existenz über das Nichts und das Sein vorzubereiten auf der begrifflichen Ebene

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