Väter und ihre Kinder, die sie immer lieben werden!

image

Wie ist es so, wenn man zwischen zwei Welten lebt, als ein Elternteil? Macht man sich Gedanken, welchen Einfluss die eigenen Worte und Weisheiten auf das Kind haben, gar vielleicht sogar in die falsche Richtung drängen, weil man immer nur das Gute und Sichere für das Kind will? Oder denkt man dann einfach nur aus der Welt des Elternteils? Die Zeiten ändern sich heutzutage so schnell und die Anforderungen, die das Leben stellt sind so rapide selbst im Wandel, dass die heutige Jugend ein riesiges Problem hat, sich auf ein Ziel zu konzentrieren. Kriegt man das als Elternteil überhaupt mit, wenn man erstmal jahrelang in seinem eigenen Alltag steckt? Oder erzeugt genau das Wissen darum eben noch mehr Angst?

Mein Vater hat heute mit mir gesprochen und ich hab in seiner Stimme eine Sorge gehört, die er erstmal runtergespielt hat. Dann hab ich erstmal mitgemacht und ihn dann gefragt, was denn los sei? Er fragte, wie das denn mit meinem Nebenjob aussieht, ob ich endlich einen gefunden habe. Zum Hintergrund: Ich habe bis vor kurzem, neben meinem Master-Studium, quasi als Konzepter und Texter (ich habe wesentlich mehr als das gemacht!) in einer Onlineagentur gearbeitet. Nach einem Jahr habe ich erkannt, dass ich nicht in diese Form der Unternehmenswelt reinpasse und suche gerade quasi nach einem neuen Job, nur dass ich halt seit zwei Monaten nichts anständiges gefunden habe bzw. ich auch nach etwas suche, wo ich auch eventuell auf längere Sicht als Arbeit Aussichten haben kann. Der Grund mit dem letzten Job aufzuhören war, dass man da hauptsächlich das Selbe macht wie im Studium (quasi Referate vorbereiten und Hausarbeiten schreiben) und ich diese Energie lieber für mein Studium vorbehalten möchte (Durch die Ähnlichkeit der Arbeit mit meinem Studium hab ich mein Studium sehr vernachlässigt, da wenn ich arbeite, dann richtig!) Zum zweiten bin ich einfach nicht der Mensch, der Etwas auf Teufel komm raus einem Kunden andrehen will! (ich schreibe bewusst will, weil können tu ich, wollen aber nicht!) Vor allem nicht, wenn es um eine Industrie wie Werbung geht und vor allem auch, weil ich mich sehr ungerne mit anderen Menschen vergleiche. Ich habe keine Angst davor, ich hab einfach nie den Sinn dahinter gesehen, wenn es doch für uns alle ein gemeinsames Ziel gibt, worauf wir zusammen hinarbeiten können. Ein Sportlehrer meinte einmal zu mir, dass er das nicht versteht, wie ich so gut in fast allen Sportarten bin, aber einfach nicht gewinnen möchte. Und die Antwort liegt darin, wie im letzten Text (https://chojinbain.wordpress.com/2014/06/01/wenn-man-zum-erklaren-von-traumen-ausholt/) erwähnt, dass ich spielen, also auch Sport, ästhetisch im Akt schön finde, aber nicht wegen der Konsequenz, dass man gewinnt oder verliert oder dem sich messen, ob nun am anderen Team, einen anderen, mir selbst, oder der Natur, mir ging es mehr darum wie ich ein Ball schieße oder einen Schlag zurückgebe oder annehme als zu gewinnen. Deswegen hab ich zum Teil meinen Gegnern im Schulunterricht Vorlagen gegeben, weil es mir mehr spaß gemacht hat, schwierige Bälle annehmen zu können als das Spiel am Ende zu gewinnen. Ich weiß viele haben mich dafür gehasst, aber gleichzeitig war ich auch immer einer der Ersten, die gewählt wurden. 😛
Soll jetzt auch keine Kritik an jenen sein, die das Gewinnen mögen, nur eine Erklärung wie bescheuert ich bin.

Zurück zu meinem Vater oder Besser, den Vätern:

Ich habe eine lange Geschichte von Streitigkeiten mit ihm gehabt, um die Handhabung vom Leben und welche Regeln da zu befolgen sind. Mittlerweile hab ich aber gelernt, wie ich sage, was ich denke und gleichzeitig die Situation nicht eskalieren lasse und probiere eine einheitliche Form der Sprache für uns zwei zu finden, damit man nicht immer aneinander vorbei redet. Gerade das mit der Sprache ist natürlich eine riesige Schwierigkeit und dennoch bemühe ich mich, durch diskursives Reden und Denken und einander einfühlen, warum wir etwas sagen und warum gewisse Sachen uns wichtig sind, diese sprachliche Barriere zu überwinden. Ich probiere ihn öfter anzurufen, damit wir uns an die jeweilige Art von Gebrauch unserer Sprachen gewöhnen und somit auf mehr Erfahrung zurückgreifen können, um uns zu verstehen.
Ich meine er macht sich Sorgen klar, aber diese Sorge kann nicht überwunden werden, indem ich mich einem Unternehmen verschreibe, das vielleicht arbeitstechnisch mir Sicherheit bietet, aber sie dermaßen meinem Wesen widerspricht, dass da irgendwann nicht mehr die Person da ist (weil ich psychisch zum Beispiel dann daran zu Grunde gehe), für den diese Sicherheit gewünscht ist, für mich.

Früher, als Kind, hat er mir immer gepredigt, dass ich Gut sein muss und der Gesellschaft dienlich. Er hat mir jeden Abend die Geschichten von Helden erzählt und meine Fantasie geformt, wie ich sie bis heute behalten habe (Der beste Held war der glatzköpfige Hassan, weil er durch seine Glatze erstmal keine Freunde findet und dann aber durch sein Intellekt alle aus einer prekären Situation rettet und dadurch alle miteinander befreundet werden  oder Fereydoon Ferferre (Windrad) dem ich nacheifern sollte, weil er voll schnell denken konnte und ganz schnell aufgaben erledigen, wie kein anderer, und deswegen ich mich selbst Farzam Ferferre genannt habe als Kind).

Irgendwann kam ich in die Grundschule und hatte als Kind sowohl deutschen Grundschulunterricht, als auch persischen. Das heißt zweimal Grundschule jeden Tag. Dann wurde ich irgendwann 14 und ich sollte anfangen zu arbeiten. Ich fing an Zeitung aus zu tragen, dann in einem Modeladen zu arbeiten, bis hin sogar zum Filialleiter einer Filiale des Modeladens. Nachher sogar im Großhandel bei ihm in der Damenmode-Produktions und Vertrieb mit eigenem Label. Das alles noch bevor ich studiert habe, während meiner Schulzeit und auch während meines Studiums natürlich. Gut immer wieder hab ich ein Jahr dann nichts gemacht, außer zu studieren, aber diese Reaktion war eindeutig eine, die aus den vorhandenen Strukturen kam. Ich hab, um es zu übertreiben, einfach quasi einen Burnout gehabt mit Anfang zwanzig. Und auch heute noch hab ich zwar eine sehr stark ausgeprägte Arbeitsmoral, aber ich bemerke, dass ich eine Form der Ambiguität dazu entwickelt habe, die mich schnell depressiv und Müde macht. Natürlich hab ich auch Vorteile daraus gehabt so früh schon zu arbeiten und diese Strukturen zu lernen, aber gleichzeitig hatte ich das Gefühl ich verdiene nicht eigene Ziele zu haben, die nur mir gehören. Also das soll jetzt auch kein Vorwurf an ihm sein, weil unsere Beziehung wesentlich besser ist als früher und er hat mich nie gezwungen, sondern er war mein Vater und ich wollte befolgen, was er als gut für mich erachtet hat.

Damals hatte er einen ganz festen Plan für mich und jede Abweichung meinerseits von diesem Plan, wurde mit Desinteresse bestraft. Er hat es selber nie bemerkt, selbst ich kann das nur jetzt im nachhinein erst sagen, weil ich als Kind eben auf die Sachen fixiert war dadurch, die ihn interessiert haben, obwohl ich sie zum Teil echt nicht mochte (wie in einem Verein zu spielen). Aus meiner Sicht konnte ich nur Punkten, und meine Portion Interesse abholen, indem ich Sachen gemacht hab, die ihn interessiert haben. Zum Beispiel Fußball spielen, oder den besten Notendurchschnitt der Klasse erreichen oder Erfolge in meiner Arbeit (wie gesagt Filialleiter werden usw.) zeigen. Wenn ich aber gesungen habe, was ich früher mal sehr gut konnte, oder Philosophie, Musik oder Kunst betrieben habe, oder auch “nur” in der Halfpipe einen Rückwärtssalto gestanden habe und vor allem wenn ich mich verliebt habe und/oder mein Herz mir gebrochen wurde. Dann hieß es einfach, das sind alles Fantasie Dinge ohne Zukunft und ich soll mich auf die realen Dinge konzentrieren oder im Bezug zur Liebe, dass wenn ich darüber traurig wäre, ich schwach bin und eine starke Person lässt solche Sachen nicht an sich ran. Diese Dinge wurden mir ein Leben lang als unwichtig vermittelt, haben aber den einzigen Bezug zu der Person, die ich bin, für mich gehabt. Den Rest hab ich nur gemacht, weil man kein Leben führen kann als Kind, wenn die Eltern keinen Bezug zu dir finden. So genug erstmal, das soll mir nicht der Punkt sein, denn er trägt darin keine Schuld.

Wie schon gesagt leben Eltern in zwei Welten, dem Leben den sie für sich führen und dem Leben, den sie für ihre Kinder führen. Allein diese Polarität reicht schon genug falsche Herangehensweisen ohne böse Absicht zu erzeugen. Mittlerweile ist er gar nicht mehr so und das ist das traurige im nachhinein für mich! Er erinnert sich nicht mal, dass er z.B. mir verboten hat Kunst zu studieren oder eher noch, dass er manche Verbote so beiläufig und ohne wirkliche Absicht geäußert hat, dass er nicht mitbekam, dass ich als Jugendlicher das nicht beiläufig aufgenommen habe, sondern als Gesetz. Mein Fehler wahr, dass ich einfach nicht einschätzen konnte, welche dieser Aussagen jetzt beiläufig waren und welche nicht! Für mich war er mein Vater und was er sagte war für mich Gesetz. Außer wenn es darum ging, wie meine persönliche Gestaltung von Vorlieben und Freizeit und Freunden auszusehen hat. Diese Dinge sind Privat und da hab ich mir auch nicht reinreden lassen, sofern es nicht gravierend unmoralische Natur in ihrer Gestaltung annahm. Er stand diesen wie gesagt dann auch eher mit Interesse oder eben Desinteresse gegenüber.

Wir haben uns jahrelang gestritten und ich bin wirklich froh, dass wir immer mehr lernen die Sprache des Anderen zu verstehen und unsere Beziehung ist in den letzten Jahren, zumindest von mir gesehen, immer natürlicher und inniger! Ich bin auch glücklich, dass meine Schwester wieder einen sehr viel besseren Bezug zu ihm gefunden hat und ihre Form mit ihm zu reden entdeckt hat. Nur bleibt bei ihm natürlich immer so eine Rest-Sorge, die einfach viele Eltern und vor allem Väter haben, die mir Angst macht und wenn er sie dann ausspricht, mich immer wieder ein bisschen aus der Bahn wirft. Plötzlich bekomme ich wieder Zweifel und fange an Wege zu gehen, die ich nicht gut finde wie gewisse Arbeiten ins Auge zu fassen, die so dermaßen mir Wesensfremd sind, aber lukrativ, dass ich meine Psyche damit immer wieder schädige und wieder an dem Anfangspunkt stehe, dass ich Etwas machen muss, dass mir liegt und ich auch vertreten kann. (Ich vermeide bewusst gerade den Begriff wo ich glücklich werde, denn das ist ein Ideal, womit ich in Bezug zu Arbeit erstmal nicht rechne, sondern nur als Hoffnung in mir behüte.) Aber auch da lerne ich gerade ruhig zu bleiben und zu versuchen endlich diesen Fluch der Moderne, der Entscheidungslosigkeit, eine Entscheidung entgegenzusetzen, die auf das basiert, worin ich Streben kann und der zumindest nicht gegen meiner Natur entspricht. Wie seht ihr das? Wie waren eure Erfahrungen mit euren Eltern oder euren Kindern? Gibt es da einen Unterschied, wie Mütter das in Bezug zu ihren Kindern sehen?

Jedenfalls hab ich diesen Text, ohne mir das vorzunehmen, mal wieder in einem Brief an eine liebe Freundin, einfach raussprudeln lassen und fand es passend zum gestrigen Vatertag (war der englische oder der amerikanische oder?)
Ich wünsche allen Vätern und insbesondere meinem Vater einen frohen Vatertag. Ich hab dich lieb und kann mich glücklich schätzen einen Vater wie dich zu haben, der sein Leben uns verschrieben hat, damit wir in diesem geliebten Land in Freiheit und Unbeschwertheit ein Leben haben können.
In diesem Sinne, gute Nacht!
Bild dankend von hier entnommen
.
  
 

 

Advertisements

5 thoughts on “Väter und ihre Kinder, die sie immer lieben werden!

  1. Die Bezihung zu den eigenen Eltern ist schon eine sehr interessante Sache, denn es gibt eine gewisse Abhängigkeit und Rangfolge. Sie ist als Kind durchaus wichtig, denn man muss den Anweisungen folgen, die man bekommt, sonst rennt man blind auf die Straße oder isst, was man gerade findet. Das Auflösen dieser Eltern-Kind-Beziehung ist vermutlich gar nicht vollkommen möglich, aber das ist etwas, was viele Menschen in ihrer Pubertät machen und auch schaffen. Ich habe es damals nicht geschafft und bis heute gibt es Momente, in denen ich merke, dass ich in das Muster des Kleinkindes verfalle, wenn es um die Bezihung zu meinen Eltern geht.

  2. Ja das stimmt und ich hab mich gefragt wie komisch es sein muss, irgendwann (Gott behüte!) dann alleine ohne Eltern da zu stehen. Was ja viele in dieser Welt auch oft sogar früh erleben. Denn du hast recht so lange Eltern da sind, wird man auch immer ein Kind bleiben irgendwo.
    Danke für dein schönes Kommentar
    Grüße

  3. Ein riesiges Gesprächsfeld, das Du da betrittst und ein spannendes dazu. Ich glaube jeder bleibt das Kind seiner Eltern; auch wenn sie nicht mehr da sind. Sie gaben mir das Leben und prägten dieses eindrücklich, manchmal auch schmerzlich. Die Loslösung dauert, glaube ich, immer länger als die Pubertät. Das ist aber nicht schlimm. Wir lernen ja. Ich hab lange gebraucht, um zu erkennen, dass sie auch einfach nur Menschen sind, die ihr Bestes gaben. Mit der Achtung begann Schritt für Schritt die wirkliche Abnabelung für mich.
    Als Mutter mache ich mir natürlich Sorgen; richtig abstellen kann ich die nicht. Aber ich versuche, darauf zu achten, wie ich damit umgehe. Wenn meine Sorgen, mein Kind davon abhalten etwas zu tun, was ihr wichtig ist, schmerzt mich das. Ich ermutige sie dann, ihren eigenen Weg zu gehen. Lieben Gruß.

    • Ja das kann ich verstehen. Da fällt mir ein Zitat von Ludwig Wittgenstein ein:

      “Das heißt ich soll mit beiden Fußen auf dem festen Boden stehen bleiben & den Strick nur halten, aber nicht mich an ihn hängen. Aber das ist schwer. Es ist schwer so uneigennutzig zu lieben daß man die Liebe hält & von ihr nicht gehalten werden will.

      Es ist manchmal sehr schwer den Wunsch der Liebe und Akzeptanz der Eltern nicht zum eigenen Strick zu machen und gleichzeitig ist es schwer als Elternteil ein Kind in diese weite Welt zu lassen, dessen Härte und Schwierigkeiten man am eigenen Leib erfahren hat, damit es die eigenen Erfahrungen machen kann, ohne dass das bedeutet man würde diese nicht mehr lieben.

      Danke für deinen Kommentar und einen lieben Gruß
      Chojin

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s