Als ich da saß und um Rat bat

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Die Liebe hab ich mal verloren,
wie so manches, vieles!
Und irgendwann,
als ich nichts mehr hatte,
was ich noch verlieren kann,
verstand ich mich allein.

Einsam

So fragte ich und bat um Rat!

Die Antwort kam alsbald:
“Liebe dich selbst! Erst dann kann jemand sich in dich verlieben”

So begann ich mich zu lieben!

“Wer sich liebt, der isst gesund!”

Und ich begann gut zu essen.

“Wer sich liebt, betreibt auch Sport!”

Auch Sport begann ich zu betreiben.

“Wer sich liebt, der strebt nach Wohlstand!”

Nun begann ich auch das Streben nach Wohlstand.

“Wer sich liebt, der hält einen gesunden Geist in einem Gesunden Körper!”

Ich begann einen gesunden Geist in einem gesunden Körper zu halten.

“Wer sich liebt, der hat…

…ein Auto… 
…ein Haus…
…einen Garten…
…eine Arbeit…
…Geld…
…Macht…
…Wissen…
…Autorität”

All das Beginnen führte mich dazu
wieder da zu sitzen und um Rat zu bitten.

Als ich da saß, autoritär, weise, mächtig, reich, beschäftigt, im Garten meines Hauses, habend, wohlhabend, sportlich, wohlgenährt, und mit meinem gesunden Geist im gesunden Körper liebevoll auf mich selbst blickend, erkannte ich:

Nun hat ich viel zu verlieren und ich fand mich weiterhin allein!

© Farzam Mikail Fardowsi

Picture thankfully taken from here

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8 thoughts on “Als ich da saß und um Rat bat

  1. Lieber Chojin, Dein Gedicht und Deine Gedanken gefallen mir. Ich denke, dass dieses “Problem” viele Menschen kennen, es dennoch jahrelang nicht erkennen: Dass das, was andere sagen oder leben, nicht für einen selbst stimmen muss. Dass aber jeder die Antworten in sich selbst trägt.

    Ich denke beispielsweise, dass es viele Menschen gibt, die sich selbst nicht lieben, dennoch geliebt werden. Und dass es viele gibt, die sich selbst lieben und es dabei vielleicht etwas übertreiben. Und dann gibt es die, die sich selbst lieben und geliebt werden. Und dann gibt es noch jene, die sich noch nicht selbst lieben, aber durch die Liebe lernen, sich zu lieben. usw.

    Das mit der Liebe ist für mich tatsächlich noch mal etwas Weiteres, meint: Es geht ja über dieses “Ich werde geliebt” oder “Ich werde nicht geliebt” noch darüber hinaus. Die Liebe will, wenn Du mich fragst, eigens betrachtet werden, mit all ihren Fragen und Formen. Die persönliche Annäherung, anstatt in der momentanen Situation von “Ich werde (noch) nicht geliebt” und warum ist das so, sich bestimmte Fragen zu stellen, zum Beispiel:

    Will ich die Liebe? Wo erlaube ich sie, wo verhindere ich sie? Was kann ich an meinem Verhalten oder Sprechen verändern, damit ich gesehen werde, in dem, was ich bin, in dem, was ich fühle? Wo muss ich etwas aussprechen, damit jemand anders mich besser versteht, auch in meiner Zuneigung zum Gegenüber? An welcher Stelle verhindere ich die Liebe (falls dies so ist) und warum verhindere ich sie? Gibt es eine Angst, die ich zu überwinden habe? Woran erkenne ich die Liebe und wie vermittle ich Zuneigung? Drücke ich sie aus? Lasse ich mir genügend Raum, zu leben, zu lieben, zu lernen und lasse ich auch meinem jeweiligen Gegenüber diesen Raum? Was braucht die Liebe? Was macht sie möglich, was macht sie unmöglich? Was möchte ich und was brauche ich? Laufe ich weg oder gehe ich darauf zu? All diese Fragen und die persönlichen Antworten.

    Das gehört für mich dazu. Aber sicher nicht für jeden. Take, what you like or need. Leave, what you don’t.

    Liebe Grüße zu Dir
    von der Beobachterin

    • Vielen dank liebe Beobachterin.
      Och sehe wir sind auf einer Wellenlänge, wenn es um die Fragen um die Liebe geht und ich muss sagen, dass ich durch dein Kommentar dazu gelernt habe. Ich werde mir darüber Gedanken machen über diese Fragen, die gleichzeitig Antworten sind. 😉
      Ich verstehe und denke auch über diese Fragen nach, allerdings kommen leider eben in dieser Welt noch Strukturen und Rollenbilder hinzu, die wir uns über Jahrtausende aufgebaut haben, die das Ganze erschweren, wie zum Beispiel das Konzept der Sicherheit durch Besitz. Ich will nicht ein Nest aufbauen, damit mir jemand ein Ei da rein setzt. Ich will ein Nest aufbauen, weil ich mich in meiner Liebe zu jemanden mit dieser Person zusammen und ihrer Liebe zu mir dieses Nest aufbauen möchte, damit wir zusammen unsere Liebe im Eier legen zum Ausdruck bringen. Ohne es zu planen, ohne Druck, sondern, weil es eben nicht kompliziert ist, weil es nicht darum geht erstmal Hindernisse aus dem Weg zu räumen im Zwischenmenschlichen. Deswegen auch im Gedicht, die Anspielung auf das Verlieren. Ich hab ein Anderes Gedicht dazu gechrieben und vom Inhalt geht es so. Was ist der Sinn ein Boot in einer Wüste zu bauen? Ohne die See hat das Boot und das Bauen in der Wüste keinen Sinn. Aber wie gesagt das ist auch nur ein Beispiel dieser Problematik. Ich danke dir für deine anregenden und sehr weisen Worte und ich werde diese zu Herzen nehmen.
      Liebe Grüße dir auch
      vom Chojin

      • Lieber Chojin, das Bild mit dem Boot und der Wüste gefällt mir sehr und ich verstehe, was Du damit meinst. Du hast recht, was die Rollenbilder angeht, manchmal merkt man es gar nicht gleich, was da alles ist, das, was gar nicht zu einem gehört und doch da ist und es einem oft schwer macht. Über das mit dem Ei im Nest musste ich schmunzeln, weil Du das so schön ausgeführt hast. Ich weiß, was Du meinst.
        Hindernisse im Zwischenmenschlichen tauchen früher oder später überall auf und es ist eine Chance zu lernen, zu wachsen und zu erkennen, ob und wie weit man gemeinsam gehen möchte und vielleicht auch wohin. Die überstandenen schwierigen Zeiten verbinden ja auch noch mal, andererseits hat manches auch Grenzen, was eine Liebe vertragen und aushalten kann und was nicht. Es kommt wohl auf die beiden beteiligten Menschen dabei an.
        Ich freue mich, wenn Du mit ein paar meiner Gedanken etwas anfangen kannst. Und ja, die Fragen kommen und sind manchmal schon Antwort. Ich mag Fragen. Sogar sehr.

        Liebe Grüße und alles Liebe für Dich
        (bekommst auch ein Herzchen ❤ ).
        Danke.

      • Klar! Hindernisse im Zwischenmenschlichen kann man nicht wegdenken, und sogar oft der Grund weswegen man zusammen an ihnen wächst. Ich meinte das hier nur auf das Bild mit dem Nest bezogen. Also, dass man alle Hindernisse schon vorher geregelt hat, damit nur noch jemand kommt und man das Ei bekommt. 😉 Das ist eben nicht ein zusammen an den Anforderungen wachsen.
        🙂

    • Eine sehr schöne und sehr wahre Ausführung, die zeigt, dass dieses Thema sehr komplex ist Mir ist auch sofort aufgefallen, dass das erste große Problem schon im Titel angelegt ist. Ratschläge müssen nicht unbedingt gut oder hilfreich sein. Ich finde auch “Liebe dich selbst” sollte man generell vielleicht eher als ein “respektiere dich selbst”, “schätze dich selbst” und “finde dich selbst liebenswert” umdeuten.

      Es ist auch ein großes Übel unserer Zeit, dass man Güter um sich herum anhäufen soll, um ein interessanter und liebenswerter Mensch zu sein. Die Werbung zeigt uns das jeden Tag und, obwohl wir wissen, dass uns so etwas nur zum Konsumieren verführen soll, fallen wir doch – bewusst oder unbewusst – häufig darauf herein.

      Im Grunde glaube ich, wer aus natürlichem Antrieb nur genug Liebe, Freundlichkeit und Lächeln ausschenkt, der erhält auch etwas zurück. Das ist wie mit dem berühmten Echo im Wald.

      • Vielen lieben Dank für deinen äußerst auf den Punkt bringenden Kommentar. Ich würde sogar nichts beizufügen wissen. 🙂
        Das ist eben das Problem der Moderne, dass man das Materielle und die Form (was ich auch sehr gerne F or M nenne (female or man)) höher schätzt als das Wesentliche oder den Inhalten. Dabei ist das Materielle oder die Form immer nur der Ausdruck des Wesentlichen und der Inhalte in der Welt und müssen in einer Harmonie und Balance mit diesen stehen. Mir ist dabei klar, das es keine Inhalte ohne Form gibt, aber in einer Form können verschiedene Inhalte sich Ausdrücken, die unterschiedlichen Wert besitzen, wo hingegen ein bestimmter wertvoller Inhalt unabhängig seines förmlichen Ausdrucks wertvoll ist.
        Doch das wär ja zu gut, denn dann würden wir nicht mehr so viel benötigen und wären zufrieden, wo kommen wir denn da hin also bitte!? 😉
        Liebe Grüße an dich
        Chojin

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