Dinge, die auf dem Herzen liegen

Das letzte, was ich über dieses Thema schreiben möchte:

Diese ganze Islamophobie Diskussion geht mir richtig in meine Knochen. Das erste mal seit meiner Kindheit habe ich wieder richtig Angst, ANGST VOR EUCH!

Ich habe Angst davor, dass man es an mir auslassen wird, was andere getan haben, nur weil im Gegensatz zu denen, ich greifbarer bin.Ich habe das Gefühl, dass ich bald auf meine Hautfarbe minimiert werde. Dass diese Hautfarbe für euch nur noch Islam ist. Und das es verdammt nochmal keinen einzigen Ort auf dieser Welt gibt, wo ich hinflüchten könnte, um diesen Umstand zu entgehen. Deswegen, bevor das Ganze soweit kommt, wie meine Ängste mir derzeit vorhersagen, möchte ich zwei Dinge loswerden.

  1. Ich bin auch ein Moslem, neben all den Anderen Sachen die ich bin, wie Freund, Liebender, ein Deutscher, Mensch etc..
  2. Ich habe Angst vor euch!
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19 thoughts on “Dinge, die auf dem Herzen liegen

  1. Die Medien schüren dieses Gefühl zusätzlich aufs Äußerste, mein Lieber. 😦 Es ist ein Aggressor der Angeschmissen wurde und nun kreuz und quer in alle Richtungen schießt. Seit Ende der Achziger war es nicht mehr so schlimm. Aber an die Zeit erinnere ich mich gut. Eine Zeit, in der der rechte Mob hier im Norden ein Behindertenwohnheim anzündete… Häuser brannten. Solingen. Ein Mann in Berlin umgebracht wurde…erinnerst du dich an diese Zeit? Zu der Zeit ging ich noch viel auf die Straße. Mein Exmann wurde damals verhaftet, als sie eines Nachts ein Haus beschützten, was im Fokus diese Vollpfosten stand…
    Ich hab auch oft Angst. Aber es gilt, Ruhe bewahren. Nicht alle in einen Topf schmeißen. Nicht mit auf den Fahrenden Zug des Hasses und seine düsteren Kumpanen mit aufspringen…

    Auch wenn ich es gut verstehe, das nicht immer die Energie dafür da ist. Das irgendwann genug ist. Und der Wunsch nach ner einfachen Hütte am Strand, ein Joint im Mundwinkel, rauschende Wellen besänftigen den Geist … hach, das fände ich super 😉

    • Vielen dank für deine Zeilen. Ja ich versuche es. Und ich weiß, dass das eine Phase bzw geschürte Reaktion auf medialen hype ist. Allerdings musste ich diesem Gefühl Raum machen, dnn die letzten Wochen ist dieses Gefühl stetig am wachsen gewesen. Und ich bin weiß Gott nicht eine Perso, die hassen kann, deswegen umso größer die Ohnmacht, die sich so langsam einstellt und mich von innen auffrisst. Aber auch jedesmal ein Funken Glaube, wenn ich mit Menschen rede wie du, die mir ein Licht in diesem dunkel dann sind. Ich danke dir aus tiefstem Herzen. Und vielleicht irgendwann sieht man sich ja an diesem Strand in unseren Hütten als Nachbarn. 😉

  2. Ich glaube und hoffe, dass die meisten Deutschen im Umgang mit anderen, aber speziell mit “muslimischen” schlichtweg verunsichert sind.
    Oft ist es die direkte Erfahrung die fehlt oder eine Information z.B die Form von Islam die viele Hundertmillionen Menschen in Indonesien pflegen.
    Vor den Menschen, vor denen Du Angst hast, müssen wir alle Angst haben bzw. müssen wir uns alle zu schützen wissen.
    Angst ist das Gift – Kommunikation das Antidot.

    Ein friedliches WE
    P 😉

    • Vielen dank für deine Zeilen. Ja, das Problem ist auch, dass viele Mslime selbst Angst haben ihre Form des Islams öffentlich zu machen, weil um einen es auf Vorurteile und erschweter Verständnis trifft, zum anderen sie sich zum Ziel extremistischer Gedankengüter machen, weil diese gerade jene sind die öffentlich sich als den “wahren” Weg sehen und somit jede Andere Form als Feind betrachten. Deswegen pflege ich persönlich die Sufi-Schule, dessen zentrales Gebot die Liebe ist.
      Allerdings ist die heutige Zeit eben ein nährboden für alle Formen von Angst. Die Richtung der Bewegung ist die, die mir Sorgen bereitet, also auf allen Seiten. Deswegen möchte ich halt darauf aufmerksam machen, dass es eben auch eine andere Richtung der bewegung gibt, wir diese aber auch wahrnehmen müssen, um zusammen Hand in Hand in diese zu gehen. Ich danke dir auch aus tiefstem Herzen.
      Auch dir ein friedliches Wochenende.
      Farzam

  3. Hallo,
    ein “Like” kann und möchte ich nicht setzen, weil mir nicht gefällt, was ich da lese. So geht es wohl vielen. Was du schreibst, das erklärte ich neulich auch einem Kollegen. Ich höre von Bekannten, dass sie Angst haben und ich muss ihnen erklären, dass wir alle die Arme umso weiter aufmachen müssen, denn wer sich jetzt abschottet und die Gewalt gegen andere Menschen indirekt duldet, der braucht sich nicht wundern, wenn tatsächlich bald ein Mensch, der hätte ein Freund sein können zu jemandem wird, der sich verstoßen und als Außenseiter fühlt. Jemand, sein Leben problemlos beenden kann…
    Ich sah dich nicht als Moslem, und es ist mir auch egal. Ich kenne dich nur als Autoren und als Liebenden. Und so werde ich dich auch weiterhin sehen. Wenn du über Religion schreibst, dann werde ich die Zeilen ebenso gern lesen, wie die Zeilen über Liebe. Vor mir musst du keine Angst haben. Meine tiefste Zuneigung und mein Verständnis sei dir gewiss. Ich würde diesen Text sehr rebloggen. Mir ist es wichtig, dass mehr Menschen verstehen und aufwachen.
    Liebe Grüße

    • Lieber Ben. Ich danke dir sehr für deine Zeilen. Natürlich kannst du den Text rebloggen. Es lag mir ja auch am Herzen, dass man versteht, dass die Entwicklungen der letzten Zeit auf allen Seiten Angst ausgelöst haben. Wie du sehr richtig geschrieben hast, ist genau jetzt die Phase der Liebe, genau jetzt müssen wir alle Hand in Hand in eine neue Zukunft wandern, in der solche schrecklichen Gefühle nicht mehr herrschen. Und wenn ich Zeilen lese wie die deine bekomme ich Hoffnung und Mut, dass wir vielleicht eines Tages tatsächlich für unsere Kinder eine neue, andere Welt schaffen können.Ich danke auch dir g´vom ganzen Herzen.
      Farzam

  4. Es erschreckt mich, dass du es nun schon so zu fühlen meinst, denn ich hätte nicht gedacht, dass schon so viele Menschen hier in Deutschland Muslimen scheinbar aktiv das Gefühl geben. Doch eben als ich durch die Stadt ging, dachte ich daran, dass solche Muslime mit Bart und traditionellen weiteren Gewändern von vielen kritisch beäugt werden, wenn sie durch die Stadt oder gar am Weihnachtsmarkt vorbeigehen. Und ich fragte mich, ob nicht auch mir bei einem solchen Anblick negative Assoziationen hochkommen würden. Ich fürchte, gegen diese unterbewusste Furcht muss man sich bewusst stellen. Für mich gehören Muslime zu meinem Alltag. Allein 10 meiner 26 Fünftklässler sind Muslime. Und es gehört für mich als Geschichtslehrerin dazu, meinen Schülern zu vermitteln, dass es vor allem Muslime sind, die durch den Is momentan sterben, zb in Beirut oder bei der Friedensdemo in der Türkei und gegen irgendwelche rechten Äußerungen gegenzusteuern.
    Aber ich denke, dass auch die muslimischen Gemeinschaften sich stärker öffnen und engagieren könnten, um gegen die Unkenntnis und die Angst vorzugehen. Natürlich sagen sie, sie distanzieren sich, natürlich zitieren sie aus dem Koran die friedlichen Verse, aber wie in der Bibel gibt es sicher auch dort Stellen, die unterschiedlich ausgelegt werden können.
    Ich glaube es sind die Menschen, die aufeinander zugehen müssen, die Ängste abbauen können, darum ist es so wichtig keine Parallelgesellschaften zu haben.

    • Natürlich! Genau das war auch der Grund, warum ich das geschrieben habe. Zum einen habe ich das Gefühl alle denken, dass die Muslime unberührt, unverängstigt ihren alltag weiterleben und irgendwie als diese Gefühlskalte Gebetsmaschine, die nur ihre Koranverse kennt dargestellt werden. Zum anderen ist das Ziel der Geschehniss der letzten Wochen gerade der Versuch die Gesellschaft zu polarisieren und untereinander einen Kampf zu starten. Ich will da aber nicht mitmachen, denn ich bin hier aufgewachsen und für mich ist Deutschland meine Heimat. Ich kenne keine andere Heimat, ich habe auch, obwohl ich Moslem bin keine islamische Gemeinschaft. Meine Eltern haben mich sehr liberal erzogen und ich interessiere mich persönlich für alle Religionen. Ich habe Philosophie und Psychologie studiert und gerade als Metaphysiker sind die Gemeinsamkeiten der Religionen für mich von großem Interesse. Natürlich muss ein Dialog gestartet werden, der auf nahrhaften Boden stattfindet, um einen Raum zu schaffen in der wir alle gemeinsam und jeder für sich sein kann wie er ist. Allerdings ist die Situation momentan auch sehr schwierig. Ich habe bei einem anderen Kommentar schon geschrieben, “das Problem ist auch, dass viele Mslime selbst Angst haben ihre Form des Islams öffentlich zu machen, weil zum einen sie auf Vorurteile und erschwerter Verständnis trifft, zum anderen sie sich dadurch zum Ziel extremistischer Gedankengüter machen, weil diese gerade jene sind, die immer in der Öffentlichkeit auftreten und sich als den “wahren” Weg sehen und somit jede Andere Form als Feind betrachten.” Wenn wir einen staatlichen Islamunterricht zum Beispiel hätten, würden solchen Strömungen sehr viel Wind aus den Segeln genommen werden, da sie auf Grundbasis freiheitlich demokratischer Werte aufgebaut werden können. Ich zum Beispiel folge der Tradition der Sufis. Für Sufis ist das Gebot der Liebe und der Nächstenliebe das höchste Gebot. Alles, was danach kommt sind dann nur Klamotten des Glaubens und nicht der Kern. Aber diese Unterschiede in den verschiedenen Strömungen haben zum Teil fast keine Chance vermittelt zu werden, weil sie medial so stigmatisiert sind, dass auch eine Aufklärung über den Rand des Begriffs Islam nicht geschieht. Und ich gebe dir Recht, dass die Muslime da auch selbst viel dazu beitragen müssen, aber die Gesamte Aufgabe der Aufklärungsarbeit kann man nicht auf die Schultern der Muslime lasten lassen. Um Jesus zu zitieren: (Markus 4:3) »Hört mir zu! Ein Bauer säte Getreide aus.
      Dabei fielen ein paar Saatkörner auf den Weg. Sofort kamen die Vögel und pickten sie auf.
      Andere Körner fielen auf felsigen Boden, wo nur wenig Erde war. Dort ging die Saat zwar schnell auf; aber als die Sonne heiß brannte, vertrockneten die Pflänzchen, weil ihre Wurzeln in der dünnen Erdschicht zu wenig Nahrung fanden.
      Einige Körner fielen zwischen die Disteln, doch diese hatten die junge Saat bald überwuchert, so dass sie schließlich erstickte.
      Die übrige Saat aber fiel auf fruchtbaren Boden, wuchs heran und brachte das Dreißigfache, das Sechzigfache, ja sogar das Hundertfache der Aussaat als Ertrag.”
      Der Boden sind wir und wenn wir nicht darauf achten ein fruchtbarer Boden zu sein, ist jeder Dialog zu der Verbesserung dieser Situation im Keim erstickt.
      Ich danke dir vom tiefsten Herzen für deine Zeilen!

  5. Islam ist für viele Deutsche eben leider immer noch etwas das fremd und mit Angst behaftet ist. Weil kaum jemand sich bisher die Mühe gemacht hat, hinter die Oberflächlichkeit des Thema zu schauen womit medial soviel Stimmung erzeugt wird.

    Nach wie vor kann jede Religion für gutes wie schlechtes verwendet werden. Siehe das grausame Mittelalter sowie blutige Kreuzzüge. Das war nicht der Wille eines Gott sondern der Wille eines oder weniger Menschen und genau so ist das im 21. Jahrhundert wieder das gleiche Problem.

    Wenige versuchen den Islam zu verkehren, von einer Religion die für Toleranz gegenüber anderen formen des Glaubens steht. In eine Form/Auslegung die alle Andersartigen zum Tode führen soll. Diese Art zu denken sollte jedem in Deutschland sofort sehr bekannt vorkommen, aber da die alte Generation die jene schrecken des zweiten Weltkrieges über lebt hat kaum noch vorhanden ist und die Menschen leider zu schnell zu sehr vergessen ist diese Erkenntnis nur noch bei wenigen vorhanden.

    Ich bin ein Mensch des Atheismus und habe mich dennoch mal in meinem Leben mit den verschiedenen Religionen für mich so ausgiebig beschäftigt, das der Islam meiner Meinung nach eine seeeeehhhhrrrr tolerante Glaubensform ist im bezug auf andere Religionen. Doch all das zu wissen nützt nichts, wenn die friedlichen Moslems dieser Welt sich nicht schützend vor ihre anders gläubigen Mitmenschen stellen um somit dem Fanatismus aus den eigenen Reihen ein klares Zeichen zu senden. So wie sich manche Deutsche schützend vor Flüchtlinge stellen, weil eben NICHT alle Deutschen gleich auch Nazis sind und somit den fanatischen teilen aus den eigenen Reihen ein klares Zeichen entgegen gesetzt wird.

    • Ich danke dir aus tiefstem Herzen für dein Kommentar! Und muss dir da Recht geben. Eine schwere Zeit in der wir gerade leben. Umso leuchtender die wenigen die über die Schatten springen und den menschen in sich zeigen. 😊
      Liebe Grüße
      Farzam

  6. Ich hoffe dass dieser Irrsinn wenigstens zu einem gut ist –
    dass wir alle unsere Augen und Herzen öffnen und “alle” tödlichen Denkweisen ablegen.

    Ich grüße Dich herzlich
    Barbara

  7. Einen lieben Gruß an dich möchte ich heute senden, an Dich als Bloggerfreund, Lyriker, Philosoph und Menschen. Dass deine Angst aufhören möge, wünsche ich dir und dass du irgendwann keinen Grund zur Angst haben musst, das wünsche ich uns allen! Einen besinnlichen, friedlichen Adventsausklang wünsche ich dir von Herzen und morgen einen guten Start in die Woche!

    Eva

    • Ich danke dir auch vom tiefsten Herzen. Ich bete darum für uns alle! Und auch dir möchte ich ganz herzliche Grüße schicken, an dich als Freundin, Poetin und liebende Seele. 😊

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