5.2 Ein Handtuch dient manchmal auch als Taschentuch

hoehlenmalerei

Er versteckt sich hinter einem Stein, denn zum ersten Mal begegnet er seinem Schicksal. Kein zurück mehr! Keine Entscheidung, die ihn dazu getrieben hat, sondern reine Liebe. Sein Name ist Gregor und er wird den Rest seines Lebens solchen Wesen dienen, denn er ist ein Engel. Er wird dienen! Nicht wegen der Menschen, sondern wegen seiner bedingungslosen Liebe für das Eine, dem Schöpfer, die Liebe, das All-Einige, die Personifikation des Guten und des Schönen. Es ist das Einzige in dieser Welt, dem er unwiederbringlich folgen wird, denn seine Gedanken, seine Gefühle, sein ganzes Wesen ist eins mit dieser Entität.
Sein Herz klopft und in ihm macht sich eine Unruhe breit. Er weiß, dass er nicht gesehen werden kann. Er sieht auch genau, dass er das ganze schnell hinter sich bringen kann. Das Zeichen, dass dieser Mensch seine Vertragsprämie noch nicht erhalten hat, brennt gleich über dem Kopf des besagten Exemplares des Homo Sapiens,  der Einsichtsfähige oder auch weiser Mensch genannt. Der Mensch lauert einer Gruppe von Antilopen auf. Die Vertragsprämie zeigt eindeutig, dass dieser Mensch den Wunsch hat ein großer Jäger zu werden. Und in der Vertragszusatzklausel heißt es, dass er dafür schmächtig sein würde. Gregor kann sich schon denken, dass dieser Mensch jahrelang wohl nicht mit auf die Jagd mitgenommen wurde. Der arme Junge sieht verhungert aus und läuft gerade alleine in dieser Ecke der Steppe rum. Er packt sich noch immer an die Brust. Das erste mal bemerkt er tatsächlich, dass er ein Herz hat. Für einen kleinen Moment denkt er darüber nach, ob er überhaupt vor dieser Situation existiert hat. Denn er ist ein Engel, und damit ist er auch die Inkarnation des Willen Gottes selbst.
Continue reading

5.1. Ein Handtuch dient manchmal auch als Taschentuch

Bild

Was ist das Paradies? Was ist das Leben? Von Kind an erzählen uns die Eltern oder Ältere allgemein besser gesagt, dass es der Ort wäre, wo ich mich um nichts mehr sorgen müsste. Auch ich hab solche Vorstellungen erzählt bekommen. Kleine Bilder, entstanden aus den kleinen Ansprüchen oder besser gesagt der Zusammenfassung der Erfahrungen im Leben, zu einer Geschichte.

Auf den Schultern unserer Kinder argumentieren wir und bauen ja doch die Welt so auf, wie wir sie uns denken und was unsere Kinder zu wünschen haben sollen. Aus unseren Enttäuschungen sind wir da gelandet, wo wir sind und von da wo wir sind, landen unsere Kinder über ihre Enttäuschungen auf deren Plätze.

Sie predigen es, aus dem gleichen Grund wie jeder Andere, Jene die Glauben sowie jene, die eigentlich nicht religiös sind und dennoch jede Woche Sonntags in die Kirche gehen oder jene, die 5 mal am Tag beten und dennoch an Nichts glauben oder auch jene, die denken sie würden an Nichts glauben! Alle gemeinsam predigen dieselben Geschichten verpackt in persönliche Botschaften, verwoben in die Verständlichkeit des Zuhörers, des Kindes.

Nun, zu sterben und nichts mehr zu fühlen, würde doch eigentlich genau das erzeugen, was schon oft gepredigt wird oder? Und zwar, das man an einen Ort kommt, wo es keine Not mehr gibt. Denn wo keine Hoffnung ist, sind auch keine Enttäuschungen. Wo man nichts fühlt, hat man auch keine Not.

Ich glaube aber, dass da sehr wohl etwas kommt. Ich glaube, dass wir unser eigener Richter sind und uns entweder in die Hölle verdammen oder aber in ein Paradies. Ich glaube, dass wir die schärfsten Richter für uns selbst sind, aber auch die wohlwollendsten Gönner. Wer kennt meine kleinsten Sünden denn besser als Ich? Und wenn ich mir die Sünden aufzeige, kann ich mich ja nicht selbst verarschen und behaupten es nicht getan zu haben. Gleichzeitig weiß ich aber auch am besten, was ich für mich als das Paradies verstehe und deswegen ist das Paradies kein Ort, der für alle gleich aussieht.

Ich will träumen und vielleicht bin ich auch der letzte Träumer. Genau so hört sich der Hochmütige an, sagen die Einen. Genau so lebst du nicht in dieser Welt, sondern in einer Fantasie, sagen die Anderen. Was sind das für Argumente? Worauf hin sollen die mich aufbauen? Welchen Inhalt oder welche Lehre beinhalten sie? Wenn sie keine Lehre haben, was soll die Aussage dann überhaupt? Ich will mich nicht vergleichen. Es gibt keinen über oder unter mir. Es gibt kein Ich oder du.

Continue reading

4.2 IST EIN WUNDER DOCH NUR NE VERWUNDERUNG?

Ein paar Stunden später liege ich in meinem Bett und versinke in die Welt der Serien und Filme. Eigentlich lasse ich mich nur von der Serie beschallen ohne etwas mitzukriegen. Normalerweise tauche ich so in fremden Welten ein, um meine Gedanken ruhen zu lassen, jemanden mir von Welten erzählen lassen, die voller Hoffung und ganz  anders sind als die Welt in der ich Tag auf Tag in der ewigen Alltäglichkeit versinke.

Ich fliehe nicht! Ich Lebe!

In jeder dieser Geschichten finde ich mich und lebe für eine oder mehrere Stunden in anderen Welten, bin eine andere Person. Das ist meine Befreiung von der Bürde dieser Welt. Doch jetzt geht das nicht! Es ist fast so als hätten die Geschichten, die ich in den Filmen, Büchern und Serien gesucht habe, mich gefunden. Ich kann nicht eintauchen, denn ich bin mittendrin. Meine Gedanken sind immer noch beim Gespräch mit Gregor, mein Kopf noch völlig unklar. Im Hintergrund schreit eine Frau auf und beschuldigt ihr Gegenüber so lange über ihre Herkunft geschwiegen zu haben. Die Wände meines Schlafzimmers flackern in einem Spiel von Strukturen in Blau und Grau. Alles erscheint wie das Testbild der Fernseher aus früheren Zeiten. Warum jetzt plötzlich. Was hat es mit der Harmonie auf sich, die von Gott persönlich beschloßen wurde? Gregor hat entschieden das Ganze nicht wirklich aufzuklären. Er meint, dass man die nötige Zeit dazu braucht, um vernünftig mit der Wahrheit umzugehen. Was für eine Wahrheit? Was ein Humbug! In wirklichkeit will er genug Raum haben, um die Lüge aufrecht zu erhalten. Er meint die Wahrheit wäre ein Geschenk, das man gibt und erhält. Das ist die eigentliche Bedeutung dessen, was in vielen Religionen als Abbild Gottes beschrieben wurde. Die Wahrheit gibt es in erster Linie dadurch, das es die Welt gibt. In zweiter Linie aber dadurch, wie wir die Welt uns machen. Ziemlich einfach gesagt für nen Verrückten mit nem weißen Nachthemd, der aus dem Nichts in das Leben guter Leute eintretet und kein bisschen mehr erklärt, als auch nur das notdürftige. Er erzählte mir von einem Acker, den ein Herr seinen Arbeiter überlässt und die Arbeiter bearbeiten es oder sowas. Parabel wisch wasch. Kann ich bei dem, was die letzten Tage mir passiert ist sehr gut gebrauchen. Ich werfe die Fernbedienung neben das Bett und dreh mich auf mein Bauch. Im hintergrund flackert noch immer die Serie vor sich hin. Die Frau hat ihrem Gegenüber schon längst vergeben und einen Kuss als Krönung der Versöhnung hinterher geschoben. Alles Randschauspiel, denn mein ganzes Bewusstsein ist durchdrungen von dem Gedanken, was ab morgen nun mit mir Sein wird. Noch mehr unverständliches was ich verstehen soll. Reicht ja auch nicht, das mein Leben unverständlich genug war. Ich weiß zwar nicht, wie er das mit dem Muhn gemacht hat, aber vielleicht dreh ich auch einfach gerade durch. Hallus! Kann ihn überhaupt ein anderer sehen als ich?!

Continue reading

4.1 Ist ein Wunder doch nur ne Verwunderung?

Im Schatten der Röte werd ich Horny

Der nächste Tag fängt spät an. Um genau zu sein hat er schon lange aufgehört. Ich wache Abends auf und es ist schon dunkel. Mein Nacken lässt schon mehr Spielraum zu, aber vergisst einfach noch nicht was vorgefallen ist. Ich stehe schlapp auf, geh in die Küche runter und bemerke, dass anscheinend keiner meiner Mitbewohner mehr da ist. Ich setz mir nen Kaffee auf und als ich mich umdrehe sitzt Gregor da.

“Hallo Gregor!” sag ich völlig abwesend. “OH MEIN GOTT!” schreie ich auf. “Wie bist du hier hereingekommen!?” fasele ich wirr vor mich hin, während ich in der Küche hin und her stapfe.

“Hmm ja, gute Frage, äußerst passend, wenn es an jemanden gerichtet wär, der naja, NICHT ein Engel ist!”

Diesmal sitzt er gelassen in einem Morgenmantel an unserem Küchentisch und hält eine Zigarre in der Hand.

“DU BIST KEIN ENGEL!”, schrei ich ihn an, “Ich will es nicht mehr hören.” Mir stockt der Atem “-Du bist doch kein Stalker oder?” Ich versuche das Telefon zu orten.

“Hehe Stalker, ja der war gut!” kichert er vor sich hin. “So gesehen stalken euch Engel eigentlich die ganze Zeit!” schmunzelt er.

“Alter du machst mich Irre! Geh raus, lass mich in Frieden!” geb ich verzweifelt von mir als ein Versuch mich endlich nicht mehr damit zu plagen.

“Hmm also nee, das ist jetzt schwierig zu erklären, aber das ist keine Wahl, die du in nächster Zeit treffen kannst!”

“Was meinst du damit?” frag ich ihn das Schlimmste befürchtend.

“Also wenn du in der Schule auch so schwer von Begriff warst wie jetzt….” sagt er vorwurfsvoll und mit strenger Miene.

Continue reading

Erwachen aus der Taubheit der Alltäglichkeit

7

Der kalte Duft von Kaffee und ein Hauch von Kotze weckt mich auf. “Wo bin ich eigentlich?” frag ich mich selbst. Dann erinnere ich mich an meinen Sturz und ich springe schlagartig auf. Ein stechender Schmerz durchzieht vom Hals an abwärts meinen ganzen Körper. Ich versuche eine Stellung zu finden, die den Schmerz nachlassen lässt, verharre aber letzten Endens eigentlich nur und lasse die Welle der Unerträglichkeit über mich ergehen.

Dazu kommt eine nicht zu verachtende Ladung Kopfschmerzen. Mein Kopf hämmert mir die Erinnerung immer und immer wieder ein, dass ich letzte Nacht Alkohol getrunken habe und als ob das nicht genug wäre, beschließt mein Hals, dass ich für die nächste Zeit nur nach vorne schauen darf, wenn ich mich nicht mit einem unglaublich hohlen Schmerz rumschlagen will. Genau, ich habe nen Kater und ne Halsstarre noch dazu. Ein neuer Versuch aufzustehen, diesmal vorsichtiger. Es gelingt mir, wenn auch nicht gerade elegant. Ich versuche mich trotz der Halsstarre umzuschauen und zucke kurz zusammen vor Schreck, als ich eine Person im Zimmer erhasche. Ich werfe die Arme bei starr bleibenden Oberarmen, ab dem Ellbogen, in die Luft und quieke wie ein aufgeregtes Meerschweinchen. Im nächsten Moment erblicke ich mich jedoch in einem Spiegel gegenüber dem Bett, und bemerke, dass die andere Person nur ich selbst bin und dass ich mich gerade bewege, wie einer von der Muppetshow. Ich steh auf und geh aus dem Zimmer. Ich schau mich um. Überall liegt Müll herum. Einige Gäste sind schon oder noch wach und unterhalten sich auf dem Balkon. Einige andere liegen hier und da, wo auch immer sich ein Hinlegen im Minimum angeboten hat, rum. Ich steige über ein paar Körper und versuche, möglichst ohne meinen Hals daran zu erinnern in Schmerz wieder aufzuschreien, zur Haustür zu kommen. Auf dem Weg in die Küche erblicke ich einige andere Leute in irgendwelchen Ecken rumliegen und vor sich hin dösen. In der Küche sitzt ein offensichtlich noch besoffener Lars herum und lächelt mich betrunken an.

Continue reading

Erwachen aus Taubheit der Alltäglichkeit (3 Kapitel, 1 Hälfte)

Image

“Was meinst du damit?” frage ich ihn neugierig.

“Wie ich es gesagt habe natürlich, ich mein, was kann man denn da nicht verstehen?”

“Alles?” sag ich empört.

“Also ja halt… du hast kein Vertrag!”

“Das hast du schon gesagt.”

Er atmete genervt ein. Ich warte auf seine Antwort. “Hast du dich schonmal gefragt, warum dir nicht zukommt, was du verdienst? Nein, anders…warte mal… weißt du was du vom Leben willst?”

“Ich verstehe nicht!”

Er springt von einem Bein aufs andere sichtlich frustriert.

“Was ist das wichtigste….Nein… was wäre das wichtigste, ich meine halt das, was du bekommen könntest und es aber nicht hast…. also vielleicht hast du auch und weißt es nur noch nicht!”

“???”

“ok” atmete er tief ein ” Nochmal… wenn man dir alles anbieten würde, was du willst, was würdest du mehr als alles andere haben wollen?”

“Weiß nicht, ich denke im Moment hätt ich gerne eine Dusche” sag ich während ich versuche den beissenden Gestank an mir nicht einzuatmen.

“Ha! Im Moment ist das Sprichwort. Das hast du damals auch gesagt.” Erwartungsvoll schaut er mich an. Ich wundere mich darüber, dass er ohne ein Wimper zu zucken ignoriert, was er mir vorhin angetan hat.

“Haben wir uns schonmal kennengelernt?”

Continue reading

Resumé einer unverhofften Begegnung (2 Hälfte zweites Kapitel)

banksy-homeless-angel-black-colour-size-11309-15421_medium

“Sag mal spinnst du?” brülle ich los, “Was geht bei dir?”

Direkt über mir auf dem Baum seh’ ich jemanden stehen, der mit einer Hand in die Seite, die Andere an den Baum gestützt, in die Ferne schaut und vor sich hinpinkelt. Im Mundwinkel schaukelt eine Zigarette hin und her. Obwohl ich nicht direkt rein schaue, blendet mich die Sonne, weil sie gerade untergeht.

“Oh da ist ja jemand?” stößt er überrascht mit der Tiefenentspannung einer Hindu-Kuh, aus einem Gedanken aufwachend, aus.

“Was geht? Sag mal bist du am PISSEN?”

“Huch, das tue ich ja wirklich!” erwidert er bemerkend.

Ein Moment der Perplexität macht sich breit, wir verweilen darin.

“Sag mal, KANNST DU AUCH AUFHÖREN DAMIT?”

Continue reading